Die Tagebücher

Von Heinrich Vester

 

Maler in Cottbus, Guben und Küstrin

 

 

1835-1852

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Cottbuser Tagebücher von Heinrich Vester

Von 1835 bis 1852

 

 

Hartmut Regenstein

14.05.2017

Einleitung zu den Tagebüchern von Heinrich Vester

Seit dem Jahr 2014 weiß ich, dass es Tagebücher von Heinrich Vester im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam  gibt. Es handelt sich um 4 Kladden, die den Zeitraum von 1835-1852 umfassen. Das sind die Cottbuser Jahre von Heinrich Vester.  Er begann seine Jahre als Maler im Jahre 1827 in Cottbus und  verzog im Jahre 1852  nach Familienstreitigkeiten mit Frau und Kind Louise nach Guben.

Heinrich Vester lässt uns in seinen Tagebüchern an seinem Leben  teilnehmen. Im Mittelpunkt stehen seine Bilder, seine Familie,  aber auch seine Aktivitäten in der Cottbuser Schützengilde, seine Gedanken zum Zeitgeist seiner Jahre. Schließlich fand in den Jahren 1848 und 1849 eine bürgerliche Revolution in Cottbus, Preußen, Deutschland und Europa statt.

Vester lebte in der Zeit der Herrschaft  der  preußischen Könige Friedrich-Wilhelm der III  (1797-1840),  Friedrich Wilhelm der IV (1840-1888), der 1871 Deutscher Kaiser wurde,  und Wilhelm der II (1888 -1918).

In den Zitaten aus seinen Tagebüchern halte ich mich streng an das Original, trotz einer Orthografie, die von der heutigen abweicht.  Die Vester Tagebücher sind ein Dokument der Zeitgeschichte und sollten nicht verändert   werden.

1.     Die Bilder von Heinrich Vester

Das Bild von Friedrich II (Friedrich der Große) ist das meist gemalte Bild aus der preußischen Militärgeschichte.  Hier ein Beispiel „ Den 16ten Juli malte ich die Gemäldescheibe des Ratsherrn Liersch. Die Schlacht bei Kunersdorf. Friedrich II, war wie bekannt, in Gefahr von den Kosacken gefangen zu werden, Es ist der Moment dargestellt wie ihn der Major Priwitz  aus den Russen herausgehauen hat. Im Hintergrund  sieht man Frankfurt.“  Aus der preußischen Geschichte  darf das Bild der hochseligen Louise nicht fehlen, die mutig Napoleon entgegen trat.  (1848) Vester zeigt sich in vielen Bildern als preußischer Patriot.                                                                                                        Vester malte viele Stadtansichten von Plätzen von Cottbus und verdiente damit gutes Geld. Er griff auch Motive aus der deutschen Literatur auf. „  Den 15ten Juni malte ich eine Scene aus Dr. Faust. Faust umarmt ein Mädchen, welche ausruft Bester Mann, ich liebe dich von Herzen. Mephistophiles guckt boshaft aus einem Fenster des Hintergrundes hervor.“  (1840)        Dann gibt es noch weitere Bilder, die die Frömmigkeit dieser Jahre aufgreifen…. „  Am 10ten Februar malte ich die Morgen Andacht Oelgemälde. Eine Bauernfrau knieet mit ihren Säugling an der Brust, nebst ihrer ungefähr 8 jährigen Tochter vor dem Kreuze, um ihre Andacht zu verrichten. Hinter ihr steht ein andächtiger Bauer den Hut in den Händen haltend, sein Gebet verrichtend. Die Gegend ist fesigt wild romantisch.“ (1839)      Vester malte viele Genrebilder. Immer wieder  beschreibt er das Bild von einer Kegelbahn, dem Freizeitvergnügen der Cottbuser Bürger.    Heinrich Vester malte viele Schützenscheiben für die jährlich stattfindenden Schützenfeste. Er war seit 1830 Mitglied der Cottbuser Schützengilde. Neben seiner Maltätigkeit unterrichtete Vester Schüler im Zeichnen.  Am Ende seines jährlichen Berichtes gibt er immer deren Zahl an. „ Zahl der Schüler 24, im Jahre 1840 sind 4 dazugekommen.“ (1840)  

 

 

 

2.     Cottbus zur Zeit von Heinrich Vester (1806-1891)

Heinrich Vester entstammt einer  Cottbuser Tuchmacherfamilie, die aus Calbe an der Saale zugewandert ist. Sein Vater konnte  es sich leisten, seinen Sohn auf das Gymnasium und auf die Königliche Kunstakademie in Dresden zu schicken. Diese verließ er im Jahre 1827, um seinen Beruf als Maler in Cottbus  aufzunehmen. Cottbus hatte im Jahre 1839 ca. 8.400 Einwohner (s. Cottbuser Blätter, Sonderheft 2002, Stadtchronik, S. 40  ). Vester erlebte den  Beginn der Industrialisierung in Cottbus.  Im Jahre 1818 wurde die erste Cottbuser Dampfmaschine auf dem Schloss von den Gebrüdern Cockerill in Betrieb genommen. Wie kann man sich das Leben in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Cottbus vorstellen?                                            Aus den Tagebüchern erfahren wir, dass die Gedanken der Menschen darum kreisten, eine Wohnung über dem Kopf zu haben, die im Winter geheizt werden konnte.  Außerdem musste Geld für das Essen da sein.

In den Tagebüchern lesen wir viel von Bränden in den Vororten und in  Cottbus. Auch die Cholera forderte viele Menschenleben. 

Ein ständiges Thema seiner Tagebücher ist der Streit mit seinen Köchinnen, denen er sehr oft kündigt. „ Den 28 ten Januar. Meine Köchin ich schon wieder gekündigt, denn sie paßt nicht recht in meinen Dienst. „ (1839).   „ Den 9ten Januar jagden wir unsere Köchin fort, denn diese glaubte, es wäre alles ihre, sogar die Bilder von der Wand eignete sie sich zu.“   (1847)

Bei den Streitigkeiten  geht es oft um Paragraphen der preußischen Gesindeordnung.

                                                                                     

Die Kleinstadt Cottbus hatte eine ständische Ordnung. Neben den Bürgerfamilien gab es die Tuchmachergesellen und die Bauern, die ihre Produkte zum Wochenmarkt brachten. Vester weist in seinen Tagebüchern oft auf die klirrende Kälte in den Wintern hin. In den ersten Jahren seines Künstlerdaseins hatte Heinrich Vester auch Geldsorgen, doch mit den Jahren gelang es ihm, ein gut bürgerliches Leben aufzubauen.  Er verdiente mit seinen Bildern und Schützenscheiben genug Geld, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Im Jahre 1846 gewann Vester in der Lotterie 1,000 rtl   .  Neben der Malerei lebte Vester als Bürger, der abends eine gepflegte Runde Schafskopf spielte. Er nahm an den Festen und Feiern der Schützengilde teil. Er interessierte sich auch für zeitgeschichtliche Themen und stellte diese in seinen Bildern dar. Er bezog eine Zeitung aus Berlin und versuchte immer, auf dem neuesten Stand der Zeitgeschichte zu sein.

 

 

 

 

 

3.     Das Familienleben

Über sein Familienleben wissen wir einige Dinge. Vester lässt uns an seine Gedanken zu seinem Leben teilhaben. So schreibt er im  Jahres Rückblick 1835 „ Meinen Eltern habe ich nach reichlicher Überlegung wegen der Heirathsgeschichte erklärt, daß ich gesonnen bin, noch nicht zu heirathen, habe also das Verhätniß aufgeschoben.“  Vester scheint sein Junggesellen Dasein zu gefallen. So schreibt er im Jahre 1841 „ Jetzt bin ich nur 35 Jahre, es wäre nun bald Zeit, daß man sich nach ein Weibchen um thun sollte, ich aber immer noch unentschlossen denn ich sehe eine, so gut wie ich es jetzt habe kann ich es nachher nicht wieder bekommen und daher, wird die Sache immer aufgeschoben.“ Am 25. Februar 1849 verlobt er sich mit seiner Köchin Marie Hoffmann, die er am 1. Mai 1849 im Alter von 42 Jahren  heiratet. Am 28 März schreibt Vester in sein Tagebuch „ Den 28ten März. Grüner Donnerstag. Wurde meine liebe Frau Abends 6 Uhr von einen gesunden Mädchen glücklich entbunden.“                                                                                                                                             Das Verhältnis zu seinen  Eltern gestaltet sich schwierig. Schon 1847 gibt es „ Mißfelligkeiten „ mit dem Bruder und dem Vater“. Das Verhältnis ist völlig zerrüttet.  Diese kommen nicht zu seiner Hochzeit. Der Höhepunkt der Auseinandersetzung ist der Streit um die Sterbekasse des Vaters. Der Bruder täuscht den Tod des Vaters vor, um an die Sterbekasse zu kommen.  Die Sache fliegt auf und Cottbus hat seinen Skandal. Aufgrund des ständigen Ärgers mit der eigenen Familie und der Familie seiner Frau sind es die Vesters leid. Sie entscheiden sich, 1852 nach Guben zu ziehen.

 

 

 

4.     Reisen und Mobilität

Vester war viel per pedes unterwegs.  Wenn er einen Auftrag hatte bzw. sich einen versprach, dann wanderte er zu diesem Ort.   Hier ein Beispiel „ Den 18ten machte ich einen Spaziergang nach Groß Osnig, wo ich bei dem Herr Bruchmann, eine sehr gute Aufnahme fand.    Den 19ten wanderte ich früh nach Fehro, wo ich den Zoll-Einnehmer Schrebler besuchte, zurück ging es über Briesen, wo ich mir den Garten und Gewächshaus der Baronin Wackerbarth ansah. Beim Heraustritt aus dem Garten, gewahrte mich die Baronin, und ich mußte mich gleich zu ihr setzen. Dann fiel es ihr ein, ein wenig umherzuspazieren wo nur ich ihr das Geleit geben sollte, und die Anwesenden Frauen sollten zurück bleiben.“        Vester suchte die Gesellschaft von Baronen und Adeligen, um dort neue Aufträge zu requirieren.

 

Das Jahr  1846 war das Jahr größerer Reisen.  Er erhielt einen Brief nebst 7 Einladungen für einen Besuch in Berlin. Der Weg ging mit der Postbahn nach Guben. „ Als der Dampfwagenzug in Guben ankam, wurde eingestiegen und nun saußten wir dahin…. Und in kurzer Zeit waren wir in Frankfurt….. „ Um 6 Uhr suchte ich mir ein Plätzchen im Eisenbahnwagen und bald erschall der gellende Ruf der Pfeife und dahin saußte der Zug. Bald waren wir ins Fürstenwalde. Der Zug hielt nur einige Minuten an dann setzte er sich weiter nach Berlin in Bewegung, wo wir um 9 Uhr Abends ankamen.“     Die Eisenbahn von Frankfurt nach Berlin erweiterte im großen Maße  die Mobilität der Menschen. In den 40er Jahren wurden viele Eisenbahnen geplant und gebaut. Vester befand sich zwischen dem Zeitalter der Postkutsche und der Eisenbahn.    

5.     Vester und die Schützengilde

Vester trat 1830 der Schützengilde bei. Er malte die Schießscheiben der Cottbuser Gilde  bis weit in die 80er Jahre, als er schon in Guben lebte. Die Schützen spielen in dem Leben von Heinrich Vester eine große Rolle. So fanden jährliche Schützenfeste zu Pfingsten statt, die ausführlich gefeiert wurden. Die Gilde traf sich ein bis zweimal in der Woche zum Schießen. Anschließend sprach man dem Cottbuser Bier zu. Die Schützen standen für Geselligkeit und Ansehen in der Kleinstadt Cottbus. Hier ein Bericht über ein Fest, aus dem die Begeisterung von Heinrich Vester spricht: „ Heute den 14ten Oktober wurde das Morgende Fest Abends mit  allen Glocken eingeläutet. Den 15ten Oktober. Königs Geburts. Und Huldungstag in Berlin. Früh um 5 Uhr war Reveille mit Janitscharmusik, die Mitglieder der Schützengilde versammelten sich bei ihren Hauptleuten und marschierten Compagnieenweise ohne trommelschlag auf dem Landgerichtsplatz, wo sich alle Behörden und die ganze Bürgerschaft versammelt hatten. Um 9 Uhr wurde mit allen Glocken geläutet  und der ganze Zug bewegte sich zur Kirche .Nach dem gottesdienste marschieerte die Schützenbilde zuerst aus  der Kirche… Nachher marschierte sie mit Musick auf den Marktplatz, wo sie sich aufstellte, der H. Oberbürgermeister hielt hierauf auf den jetzigen KönigsMajestät ein Rede nachher wurd das Lied. Heil dir im Siegerkranz angestimmt, „ (1840) Das Prämienschießen begann am Abend. Anschließend gab es einen Schützenball. 

Eine interessante Geschichte  von einem Provinzialschützenfest in Frankfurt  an der Oder erzählt Vester im Jahr 1841.An diesem Fest sollte auch die Cottbuser Gilde teilnehmen. Insgesamt nahmen 32 Gilden daran teil. Leider konnte Vester nicht an dem Fest teilnehmen, „ mir steckte der Ball daselbst im Kopfe , und besonders die vielen schönen Mädchen, man kann aber von der Arbeit nicht loskommen, und muß das schöne Vergnügen sonach entbehren.“ (1841) Nach dem Schützenfest wurde Vester aufgefordert, Bilder von diesem Fest zu malen.  Er kam der Bitte nach und malte einige Bilder nach Erzählungen einiger Cottbuser Schützen, obwohl er gar nicht in Frankfurt war.

6.     Streit mit der Obrigkeit

Vester hat oft Streit mit der Obrigkeit in Cottbus und in Preußen. Im Jahre 1838 wurde er vom Magistrat in Cottbus verklagt wegen „ Nichtzahlung des Jahrmarktgeldes und Aufgeldes“. Ich gehe mal davon aus, dass er für einem Stand auf dem Markt, auf dem er seine Bilder verkaufte , ein Jahrmarktgeld zahlen musste. Der Streit zieht sich in die Länge. Am 23ten April 1839 erhält  er einen Brief von der Justiz aus Berlin.   „ Ich müßte auch zu gleich Beschwerde wider das Ober Landesgericht zu Frankfurt a/O führen, und das Rescript daher einsenden, was auch geschah“  Dann erhält er eine Vorlandung vom hiesigen Königlichen Land- und Stadtgericht, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er wegen seiner Beschwerde über die Polizei verklagt worden ist. Bei einem Termin mit dem Oberbürgermeister Roemelt sagt er aus, was sich die Polizei schon alles gegen ihn zuschulden habe kommen lassen. Im Jahresrückblich 1839 zieht er eine Bilanz über den Ärger über bzgl. des Prozesses  Magistrat/Vester. „ Ich habe viel Erfahrungen dabei gemacht, daß die Behörden in preußischen machen können, was sie wollen des Königs Gesetzt befolgen, aber nicht, bleibt sich gleich, nur darf aber ein Bürger nichts sagen und man muß noch zufrieden sein, wenn man nakend zum Thor hinauskommt.“ (1839).

 

 

 

 

 

 

 

7.     Die bürgerliche Revolution in Cottbus, Preußen und Europa

 

Die Darstellung  und die Beurteilung der Ereignisse der bürgerlichen Revolution in Cottbus und Preußen nehmen einen großen Teil in den Tagebüchern von Vester ein. ( 1848 und 1849, über 80 Seiten). Vester ist ein genauer Chronist der Ereignisse und Hintergründe dieser Jahre. Eine Zusammenfassung  dieses Teils der Tagebücher finden wir in einem Aufsatz von Dr. Klaus Lange in dem Cottbuser  Heimatkalender 2017 (s. Seite 43 ff. ) mit dem Titel „ Der Cottbuser Maler Heinrich Vester (1806-1891). Deshalb soll ein Hinweis auf diesen Aufsatz zu diesem Thema genügen

 

8.     Rückblick auf den Aufbau der Tagebücher.                                                                                               

Der Aufbau der  Vester Tagebücher verläuft nach einem festen Schema. Nach einem Jahresbericht, der kurz aber auch ausführlich sein kann, folgt ein Rückblick auf das Jahr und eine Liste seiner Bilder, die er in diesem Jahr gemalt hat. Nun gibt es bei der Lektüre einige Probleme. Wir gehen davon aus, dass die Tagebücher in späteren Jahren noch einmal abgeschrieben wurden. Dabei wurden einzelne Blätter falsch eingeordnet, so dass es eine Puzzle Arbeit war , die Reihenfolge der Seiten  richtig zu erfassen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass manche Jahre unvollständig sind. So beginnt das Jahr 1837 mit dem Monat August. Wir gehen davon aus, dass es weitere Vester Tagebücher gibt. So fehlen die Seiten der Jahre  1842-1845 komplett. Es ist durchaus denkbar, dass hier eine ganze Kladde fehlt.  Das erste Tagebuch 1835-1837 enthält den Hinweis auf dem Titelbild, Band III, No. 417. Daraus lässt sich schließen, dass es bereits von früheren Jahren  Tagebücher gegeben haben könnte. Denkbar ist, dass Vester schon im Jahre 1827, als er von der Königlichen Kunstakademie in Dresden  nach Cottbus zurückkehrte, Tagebücher geschrieben hat.  Wir wissen es aber definitiv nicht.  So verweist Vester in einem späteren Tagebuch auf das Tagebuch von 1830 Seite…. Zu diesem Jahr liegen uns  aber keine Tagebücher her. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Tagebücher später noch einmal abgeschrieben wurden. Das könnte Heinrich Vester, seine Frau oder seine Tochter Louise erledigt haben. Auffällig ist, dass  kritische oder „ unangenehme „ Themen  nachträglich aussortiert sein könnten. Heinrich Vester zog 1852 mit Frau und Familie nach Guben. Aus seiner Gubener Zeit liegt uns eine Kladde von 1853 bis 1883  vor. In dieser Kladde werden  aber nur noch seine  gemalten Bilder aufgelistet.  Trotz der o.g. Mängel sind die vorliegenden Cottbuser Tagebücher von Heinrich Vester hoch interessant. Hier liegen nicht nur Geschichtszahlen der Cottbuser Heimatgeschichte  vor, sondern hier wird dargestellt, wie ein Zeitgenosse seine Zeit erlebt hat. Die neuere Geschichtsschreibung interessiert sich auch für die Alltagskultur der Menschen.

9.     Danksagungen

Die Vester Tagebücher habe ich im Jahr 2014 im Brandenburgischen Landeshauptarchiv entdeckt. Bei vier Besuchen habe ich sukzessive die Jahre kopieren lassen. Ohne die Transkription der Tagebücher (Sütterlin in unsere lateinische Sprache) durch Tanja Leistner und Udo Bauer hätte ich die Tagebücher nie herausgeben können. Ihnen gebührt ein großer Dank. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei meinem Bruder Wilfried, der die Quellen über Vester, die ich von 1996 bis 2016  erschlossen habe, Korrektur gelesen hat.  Ein weiteres Dankeschön geht an Dora Liersch und Steffen Krestin, die mich in meinen Recherchen unterstützt haben. Das sind nun schon 21 Jahre.   Ich werde die Tagebücher und die Recherchen zunächst im Internet veröffentlichen. Meine Reisen und Recherchen in Archiven haben meinen Wissenstand über das 19. Jahrhundert erweitert. Ich bin sicher,  dass ich weitere Quellen und Bilder von meinem Ur-Ur-Großvater Heinrich Vester finden werde. Ich hoffe, dass die Heimatforscher in Cottbus  und in Brandenburg die Tagebücher für ihre Heimatforschung nutzen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Heinrich Vester, 1806-1891, ein Maler in Cottbus, Guben und Küstrin

Aufsatz von Hartmut Regenstein vom 12.02.2017

 

Vorbemerkung

Heinrich Vester ist  mein Ur-Ur-Großvater. Ich recherchiere seit 1996 bis heute an  seinem Werk.

Lebenslauf

Heinrich Vester wurde am 25.08.1806 geboren. Das war in der Zeit, als Cottbus noch zum sächsischen Königtum gehörte.  1815 kam dann Cottbus wieder zu Preußen (Wiener Kongress).

Heinrich Vester wurde als Sohn des Tuchmachers Georg Vester geboren. Dessen Vorfahren kamen aus Calbe an der Saale. Er besuchte das Cottbuser Gymnasium. Wir wissen aber nicht, ob er hier sein Abitur ablegte.

Von 1823-1827 besuchte er die Königliche Kunstakademie in  Dresden. Er verließ diese mit einer Belobigung des sächsischen Königs. Seine Lehrer in Dresden waren  der Historienmaler Ferdinand Hartmann und  August Richter, der Stiche von Städten anfertigte.  Der Sohn von August Richter war der berühmte Maler des Biedermeiers in Dresden, Adrian Ludwig Richter (1803-1884).

1827 kehrte Vester  nach Cottbus zurück. Er malte Stadtansichten seiner Heimatstadt Cottbus als Aquarell und in Öl. Er versuchte sich auch in der Portrait Malerei. Von 1830-1880 malte er die Schießscheiben der Cottbuser Schützengilde. Damit  und dem Zeichenuntericht dürfte er einen Teil seines Lebensunterhalts verdient haben.

Die Motive der Schützenscheiben haben vielfach einen Bezug zur preußischen Militärgeschichte von Friedrich dem Großen bis zu seiner Gegenwart.  Vester war ein Anhänger des preußischen Königshauses. Er war auch national gesinnt.

Er erlebte die atlantische Doppelrevolution von 1848/1849 und zeigte auch Sympathie für die Farben Schwarz-rot-gold.

In seinen Tagebüchern erfahren wir viel über die Ereignisse in Cottbus aus den Jahren 1848 und 1849. Vester war auch gut über die Berliner Ereignisse informiert. Ich gehe davon aus, dass er eine Zeitung aus Berlin erhielt.

Im Jahre 1849 heiratete Heinrich Vester seine Frau Marie, geborene  Hoffmann.

Am 28. März 1850  wurde seine Tochter Wilhelmine Bertha Luise geboren. Sie wurde Luise genannt .

Der Name Louise hat  einen Bezug zu der berühmten Louise von Preußen.

Nach Erbstreitigkeiten im Hause seiner Frau und einem Zerwürfnis mit seinem Vater und dem jüngeren Bruder verließ Heinrich Vester im Jahre 1852 Cottbus und zog nach Guben.

Seine Gubener Jahre erstrecken sich auf die Zeit  von 1852-1886. Von seinen Gubener  Jahren wissen wir ganz wenig.  Er selbst wird noch nicht einmal in dem Standardwerk von Gander über Guben erwähnt.  Dann treffen wir doch auf ein Stadtpanorama von Guben, das Vester nach einem Stich von Gottheil gemalt hat. Dieses Stadtpanorama wurde von dem Gubener Heimatverein vertrieben.

Im Jahre 1886 zog Heinrich Vester mit seiner Frau Marie zu der Tochter nach Küstrin.

Luise Timm war mit dem Meldeamtsvorsteher  Timm von Küstrin verheiratet.  Die Familie Timm war eine große Familie mit 6 Kindern. Sie wohnten in der Altstadt von Küstrin, Reneplatz 2.

Heinrich Vester starb im Jahre 1891.  Seine Frau Marie überlebte ihn mehrere Jahre.

Für die Geschichtsschreibung von Cottbus war es ein Glücksfall, dass sich Luise Timm im Jahre 1940 an das Museum in Cottbus wandte, um  Bilder von Vester zu verkaufen.

So ist es denkbar, dass sie auch die 4  (6?) Kladden der Vester Tagebücher abgab.

Kunstgeschichtliche Einordnung von Heinrich Vester

Vester malte Stadtansichten und Plätze von Cottbus und zwar zu einer Zeit, als die Fotografie noch nicht ihren Siegeslauf angetreten hatte. Seine Bilder sind  wichtige Quellen für die lokale Heimatforschung.

Vester malte aber auch Landschaftsbilder, die man heute bei Ebay oder auf Flohmärkten erwerben kann.

Die meisten Bilder von Vester wurden in der beginnenden Industrialisierung von Tuchmacher Familien und dem preußischen Landadel  gekauft. Die Mittelschicht begann sich langsam in den Städten herauszubilden.

Die Stadtbilder von Vester zeigen  fast alle rauchende Fabrikschlote, ein Zeichen der beginnenden Industrialisierung.  Auf seinem Panorama von Guben sieht man die Eisenbahn im Hintergrund.

Die Tagebücher von Heinrich Vester

 

Im Jahre 2014 gelang es mir, die Tagebücher von Heinrich Vester zu finden. Dies gelang über das Internet. Ein historisches Institut in Köln  hatte die 30.000 Biografien von Wikipedia mit den Beständen von Archiven abgeglichen. So erfuhr ich, dass die Tagebücher von Vester im brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam liegen.

Die Tagebücher erzählen viel von der Alltagskultur im 19. Jahrhundert in der Kleinstadt Cottbus.

Die Recherchen über Heinrich Vester.

Nach 22 Jahren Recherche  ist es nicht schwierig, immer weitere Quellen von und über Heinrich Vester zu finden. Wie sagte Frau Dora Liersch?  „ Eine Quelle gebiert drei neue“.

 

 

 

Literatur:

1.     Gustav Herrmann, Carl- Heinrich Vester, ein Cottbuser Maler der Biedermeierzeit. In: Cottbuser Anzeiger, 6. Januar 1940.

2.     Hartmut Regenstein, Carl- Heinrich Vester, ein unbekannter Maler in Guben, Gubener Heimatkalender 2001

3.     Dr. Klaus Lange, Der Cottbuser Maler Heinrich Vester (1806-1891), Cottbuser Heimatkalender,2016

4.     Quellen über Heinrich Vester, Informationsstand: www.heinrich-vester.de

5.     Zum 200 Geburtstag von Heinrich Vester im Jahre 2006. www.vester200.de

6.     Tagebücher von Heinrich Vester von 1835-1852 (seine Cottbuser Zeit),                         www.hartmut-regenstein.de Über das Inhaltsverzeichnis gehen auf Tagebücher Vester.

7.     Stadtarchiv Cottbus, erschlossener Nachlass von Heinrich Vester.

 

Hartmut Regenstein

Hamm

hartmut.regenstein@t-online.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 005 bis 018

 

Transkription Udo Bauer (November 2016)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

No. 417

Mein

Tagebuch

von 1835 bis 1837

 

III ter Band.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahr 1835. Forst

3

Den 14 ten Febr.  Auch meine jetzige Woh „

nung kann mir nicht gefallen, ich kann

selbige aufputzen wie ich will, so bleibt

sie unansehnlich, denn meine Wirth

hatte mir viel versprochen, daß

er selbige in Stand bringen will

aber  nachher  nicht Wort gehalten

daher muß ich mir und eine an „

dere umthun.

Am 25 ten reißte ich wieder nach Forst.

Geschäfte waren nicht zu machen.

Aug malte inn(ere) Ans. v Cottbus gegen

Morgen, Mitternacht und vor den

Lu(c)kauer Thore.

Den 11 April ging ich Dissen zum

Prediger Buckwar, dieser bestellte

eine Ans. v Cottbus, und gab mir

(ei)nen Kupferstich mit, worauf ein „

(…)igen meine  befindlich, und sollte selbi „

(g)e copieren. Übrigens fand ich

(…) eine sehr gute Aufnahme.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am linken Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahr 1835. Cottbus.

4

Den 14 ten April nahm ich eine Abendseit (e)

von Cottbus auf, welche der H. Kaufm

Krüger bestellt hat.

Den 17 ten malte ich 2 Ans. v. Cottbus vor

dem Sandower Thor.

Jetzt male ich wieder Ans. v. Cottbus, als

vor dem Luckauer Thor. Mitternacht

und Sandower Thor.

Den 5 ten  war ich in Briesen bei der

Baronin Wackerbarth. *

Den 6 ten war ich in Werben  bei den Baro(n)

von Oettinger*, welcher mehrere Ansichten

v. Cottbus bestellte.

Jetzt malte ich mehrere Ans. v Cottbus

Eine Ans. v. Luckauer Thor, 1 gegen Mitte(r)

nacht und 2 v. d. Sandower Thor.

Den 10 ten Mai heute Sontag ging ich                                                                   10. ist richtig !!!

Nachmittag  nach Branitz, wo es

außerordentlich voll war.

Jetzt will es mir gar nicht recht gefall(en)

Das Geschäft geht schlecht, dazu eine schlech(te)

Wohnung, und Unzufriedenheit mit den

Dienstmädchen

 

*Adolf Friedrich Theodor Ritter und Edlem v. Oetinger (*1798 +1839 in Werben)

*Marie Helene v. Bomsdorf adH Weißagk bei Forst (Ehemann  war Ludwig Carl Wilhelm  v.  

  Wackerbarth)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahr 1835. Cottbus.

5

14 ten Mai  Die Zeit ist jetzt allgemein schlecht

es stocken die Geschäfte überall ich

hoffte auch, daß ich wieder etwas

in die Sparkasse tragen könnte, ich

wollte wieder 100 Rthl. voll machen

wollte dann heraus nehmen, und

ein Staatspapier kaufen, denn die

Sache gefällt mir sehr gut, daß ich

alle halbe Jahre Zinsen aus der

Steuerkasse hohlen kann, statt

dessen, wenn es nicht bald besser

wird, werde ich müssen bald aus

der Sparkasse heraus nehmen, den

Schulden wollte ich doch nicht gerne

machen.

Ich gehe jetzt häufig spazieren und

genieße die schöne Zeit, denn zu Hau „

se gefällt  es mir gar nicht, den

meine Wohnung gefällt mir gar

nicht, und ist sehr unfreundlich, auch

meine Wirthsleute gefallen mir nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahr 1835. Cottbus.

6

15 ten Mai  malte ich mehrere Ansichten

v Cottbus als eine vor dem Sandower

Thor, eine gegen Mitternacht, drei gegen

Mittag, und eine vor dem Mühlen „

thore.

Den 28 ten Himmelfahrtstag, ging ich frühe

früh und Nachmittag nach Branitz  aber

nachdem ich meine Freunde einge

büßt, bin ich gleichgültiger geworden.

Den 3 ten Juni ging ich nach Kuschendorf

zum Baron von Belzig*. dessen Frau

Gemalin hatte mich vor einiger Zeit

besucht, und mich eingeladen, sie in

Kuschendorf mal zu besuchen. Daher

machte ich mich heute das Vergnügen.

Die Hetze war sehr groß, und ich fand

bei der gnädigen Frau eine sehr

gute Aufnahme. Sie führte mich, nach „

dem  wir eine kurze Zeit geplaudert

hatten, im Garten, u zeigte mir die

neuen Anlagen, besonders gefiel mir

die Felsengrotte, der Felsen war

mit verschiedenen passenden Sumpfpflan

zen

 

 

* Frau Hauptmann v. Bölzig, Rittergut Koschendorf, Kreis Calau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahr. 1835. Cottbus

7

als Hortensien Schwertlilien, Eyfeu, und (…) ver „

ziehrt, auch hatte der Garten andre schöne Par „

tieen. Als ich mir daß alles angesehen hatte

führte mich die Frau Baronin  ins Schloß zu „

rück, wo ich mich mit den H. Baron unter „

hielt. Dann kam ich zur Tafel. Hier wurde

auch von dieses und jenes besprochen. Meine

Ansichten von Cottbus fanden Beifall, und  der

Baron behielt selbige, auch wünschte er  mehrere

Ansichten des neuen Schießhauses zu Cottbus

welches er erbaut hat, zu haben, welches ich

aufnehmen sollte. Auch soll ich späterhin sein

Garten, wenn er fertig sein soll, malen.

Nachmittag in der vierten Stunde, reißte ich

wieder nach Cottbus.

den 4 ten Juni früh nahm ich das Schießhaus

auf und malte noch in dieser Woche  6 An „

sichten davon.

Den 7 ten 1 ter Pfingstfeiertag. Die Feiertage

verlebte ich sehr ruhig und eingezogen. 

Den 10 ten Erster Schießtag.

Den 11 ten Zweiter Schießtage. zeichnete ich den

Schützenplatz.

den 16 ten malte ich den Schützenplatz in

Wasserfarben und brachte auch einige Schützen

welche auf dem Platze umhergingen, und

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahr. 1835. Cottbus

8

mehrere ähnliche Portraits mit an, welche hier in

Cottbus viel Aufsehen und Spaß erregten.

Den 14 ten ging ich nach Koschendorf zum Baron

von Belzig, wo ich wieder sehr gut aufgenommen

wurde.

Den 20 ten malte ich eine Ansicht von Cottbus

gegen Mittag.

Den 21 ten Juni. Großen Verdruß habe ich  (…)

theils wegen Mangel an Geld. theils meines

Wirths, und Köchin, ersterer, wegen Gehässig(keit)

ich kann in meinem Hausflur , nicht das ger(ingste)

hinlegen, alles wird mir gestohlen. letzte

hat die besten Tage bei mir, und ich werde

für die gute Behandlung, welche sie bei mir

hatte, schlecht belohnt, indem sie mir auf

alle nur mögliche lügenhafte weise schlecht

machte, daher entschloß ich mich mir ein fr(em)

des Mädchen  zu miethen.

Den 2 ten Juli Ich veränderte meine

Wohnung. ich zog auf der Mühlenstraße zur

Wittwe Jenchen, wo ich ein sehr geräum(i)

ges und schönes Quartier bezog. Meine Köch(in)

entließ ich, und bin also jetzt wieder all(ein)

aber es gefällt mir jetzt sehr, da ich ein(e)

Nachbarschaft, habe, die sich nich weiter (…)

kümmert.

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am rechten Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

 

 

 

 

 

 

 

Hier fehlen die Seiten 9-10 : herausgetrennt ?

 

 

 

 

 

 

Falsch nummeriert: statt 15 könnte 11 richtig sein

 

Guben 1835.

 

(…)mal auf, und um 12 Uhr machte ich mir

(au)f den Weg. Ich ging über die Dörfer

(…) zuerst Gr.Lieskow Heinersbrück, Horno.

(Gr)ießen, wo mir die Aussicht ins Neiße „

(th)al sehr gefiel, man hatte die schöne Ent „

(…)ng vor sich liegend, wo sich die Neiße

(du)rch das Thal schlängelte, welche mit den

(sch)önen Ufern einen romantischen

(A)nblick darbot. Von hier ging ich über die

(N)eisse nach Markersdorf und Niemsch, wo

(…) dan in Schenkendorf 1 Stunde von Guben

(ü)ber Nacht blieb. Hier hatte ich ein schönes

(Q)uatier. Den andern Morgen war ein

(G)erber und ein Fleischer aus Guben mit

(F)uhrwerk hier eingetroffen, und da sie

(e)rfuhren, das ich nach Guben reißte, so

(lu)den sie mich ein, mit ihnen nach Guben

(m)itzufahren, welches ich auch annahm

und so kam ich früh gegen 7 Uhr dort

(a)n. Ich wurde nur von einen der

Herren um die Stadt herumgeführt, hier

wurden um so wie in Cottbus Ver „

(s)chönerungen angelegt, man pflanzte

(n)eben Alleen von Kastanienbäumen

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am linken Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

Diese Seite ist wahrscheinlich falsch eingehoften bzw. passt nicht zum Abschluß der vorangegangenen Seite wie auch nicht so richtig zur folgenden Seite.

Die vorherige Seite wurde handschriftlich mit Bleistift als „8“ beschriftet.

Diese Seite wurde handschriftlich mit Bleistift als „15“ beschriftet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Falsch nummeriert: statt 15 könnte 12 richtig sein

 

 

Jahr 1835 Guben

 

Ich besah mir die Umgebung und fand

die Weinberge aus herrliche Ansicht

Gubens. Das innere der Stadt kann(n)

mir weniger gefallen. Das Rathh(aus)

hat in der Bauart viel Aehnlichke(it)

den Wittenberger. Dann besuchte ich me(in)

Schulfreund, den Kaufmann Ad. Lier(…)

und den Rendant Bölke. Die Leut(e)

in Guben fand ich überall sehr höfl(ich)

und gefällig, und redeten mich zu (…)

sollte mich eine Zeitlang hier aufha(lten)

Um 12 Uhr verließ ich Guben wieder

nahm jetzt einen andern Weg, (…)

über Gubinchen längs der Neiße,

dann über die Brücke nach nach Klein (…)

Groß Gastrose, nach Grießen, Horno,

Heinersbrück, Bärenbrück, und Neuen

dorf nach Cottbus, wo ich gegen 8 Uhr Abe(nds)

ankam.  Auch fand ich bei Gastrose sehr

viel, und außerordentlich starke Ei(chen)

Mir hat diese Partie ungemein g(e)fallen.

14 Octbr Heute war der Hallenische Co(met)

am hellsten zu sehen.

 

 

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am rechten Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

 

Periheldurchgänge des Halleyschen Kometen : 16.November 1835

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Falsch nummeriert: statt 15 könnte 13 richtig sein

 

 

Jahr 1835 Cottbus.

 

Den 8 Nov. malte ich wieder einige An „

sichten v. Cottbus in Wasserfarben.

Den 12 ten Die Zeiten sind jetzt allgemein

schlecht, auch bei mir geht es jetzt sehr

flau, etwas in die Sparkasse zu

tragen, dazu komme ich jetzt gar

nicht, ich hatte immer gehoft, daß

ich mir einen Staatsschuldschein dies

Jahr zulegen, werde können, aber

es geht bis jetzt nicht und es wird

in diesen Jahre auch nichts werden.

Den 16 Nov. malte ich wieder einige

Ans. v. Cottbus in Wasserfarben.

Den 22 ten Nov. Sontag, das Todtenfest

Heute dieses Fest, wurde verwendet,

um den neuen Begräbnißplatz der

Stadt einzuweihen. Die Bürgerschaft

nebst Stadtverordneten u Magistrats „

Personen fanden sich daher Nachmittags

um halb 2 Uhr in der Oberkirche ein,

wo ein zu diesem Feste passendes Lied

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahr 1835. Cottbus.

14

gesungen wurde. Nachher begab sich die

Bürgerschaft u.s.w. aus der Kirche, um

einen Zug zu bilden, vorn gingen die

Kinder sämtlicher Schulen, als die Ar „

men und Elementarschule, begleitet

von ihren Lehrern, dann folgten die

Schüler des Gymnasiums, hierauf die

Musik, welche das Lied Meine Le „

benszeit verstreicht, spielten  Jetzt

folgten die Prediger, von den höchsten

Personen der Stadt geführt, voran

ein Stadtverordneter mit den Marscha(ll)

stab, umgeben von  zwei jungen Leu „

ten  Strohblumenkränze tragend.

Nun folgte die sämtliche Bürgerschaft

und Beamten jeden Ranges und

Standes. Den Schluß machte das hier

garnisonirende Militair, wo wieder

um ein Stadtverordneter mit dem

Marschallstab, begleitet von zwei jungen

Leuten mit Kränzen folgte. Der  (Zug)

bewegte sich über den Markt, durch der

Sprembergerstr. n. der Ruhestädte. Dort angekom(en)

 

 

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am rechten Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

Diese Seite ist nicht die Fortsetzung der vorangegangenen Seite, auch wenn die Bindung offensichtlich so ist.

 

 

 

 

 

15

 

Jahr 1835. Cottbus.

 

Den 31 ten Decembr.  Sylvesterabend, ging

ich abends bei Olschina, und trank dort

ein Glas Bier. um 9 Uhr war ich wie

gewöhnlich wieder zu Hause.

Dies Jahr war eins der schlechte „

sten Jahre, den Sommer über

war grade nicht viel zu thun, in

Herbst war es besser und zu Weih „

nachten hatte ich sehr hübschen Ver „

dienst, jedoch etwas zum Wegle „

gen kam es nicht. Ubrigens war

ich das ganze Jahr über  heiter und

froh, und war mit dem was ich

hatte sehr zufrieden.

Meinen Eltern habe ich nach reich „

licher Uberlegung wegen der

Heirathsgeschichte erklärt, daß ich

gesonnen bin, noch nicht zu heirathen,

habe also das Verhältniß auf „

gehoben.

Gemälde

welche ich im Jahr 1835 angefertigt

habe, waren folgende.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

16

 

Jahr 1835. Cottbus.

 

1 Einen Dorfgeiger in Wasserfarben.

2 Eine Gemälde-Scheibe. Friedrich II schlief

   nach der Schlacht b. Kunersdorf, in einer

   von Kosacken zerstörten Bauernhütte

3 Eine Gemälde-Scheibe. Der Schützenplatz

   zu Cottbus in Oel

4 Das Portrait eines Handlungsdieners

    aus Sonnenwalde in Miniatur

5, und 6. Zwei Ansichten des Schlosses zu

                Sergen in Wasserfarben.

7, Ein kleines Kind, nach der Leiche gema(…)

Nun folgen 85 Ans. v Cottbus in Wasserfarben

als 3 Ans. gegen Morgen, 14 gegen Mittag

1 gegen Abend, 11 gegen Mitternacht.

8 Auf. vor d. Spremberger Thor

14 v. d. Sandower, 10 v. d. Luckauer Thor.

6 Ans. v. d. Mühlen Thor.

9 Ans. d. Schützenplatzes. 1 des Schlosses z. Cottbus

7 Ans. d. meinen Schießhauses

1 Ans. des Wintergartens

8 tens Noch einen Fleischerburschen in

Sachsen in Miniatur.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17

 

Jahr. 1835. Cottbus.

 

Diejenigen

die ich im Jahre 1835 im Zeichnen

unterrichtet hebe.

 

1 Schulze           6 Kittel                                    Diese   Fünf

2 Haeger II.       7 Vetter                                   sind

3 Haeger I.        8 Müller II                               im Jahre

4 Höfer              9 Wolf aus Muskau               1835

5 Müller I.       10 Warnatz                               hinzuge „

                                                                        kommen

zusammen 10.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 019 bis 032

Datei 041 bis 050

 

Transkription Udo Bauer (November, Dezember 2016)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 019

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

Das Jahr 1836

 

Datei 50

Den 1 ten Januar. war ich ziemlich heiter, des

Abends auf dem Schießhause, wo es mir so weit

recht gut gefiel.

Den 20 ten  Ich male jetzt immer fleißig Ansichten von

Cottbus. welche mir immer aus mancher Verlegenheit

helfen müssen.

Den 21 ten nahm ich für H. Kaufmann Büttner

einige Privat Wohnungen auf.

Den 30 ten bis jetzt  in diesen Monat habe ich

18 verschiedene Ansichten von Cottbus gemalt.

Den 31 ten Sontag macht ich einen Spaziergang

nach Galinchen, wo ich mich ein paar Stunden

beim Gutsbesitzer Grosmann* aufhielt und eine

gute Aufnahme hatte.

Den 1 ten malte ich einen Füselier vom 8 ten Regi „

ment. Zeidler. in Miniatur halb Figur nach der Na(tur)

Den 3 ten nahm ich eine Privatwohnung auf als des

H. Zimmermst. Eckerts Wohngebäude

Den 5 ten malte ich 2 Ansichten von Cottbus.

Den 8 ten malte ich Napoleons verhängnißvollster

Augenblick bei Verlust der Schlacht bei Leipzig

am 18 ten October 1813.

Napoleon sitzt im Vorgrunde mit gefalltesten

Händen und traurigen Anblicks umgeben

von seinen Generälen und Marschällen beim

Feuer. Ein Kammerdiener packt Sachen im

Koffer. Im Mittelgrunde die Französische

Retraite  mit abwechselden Gefecht, und

 

 

 

 

 

 

 

*Gutsbesitzer Georg F.W. Graßmann aus Gallinchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 021

 

 

 

Jahr 1836. Cottbus.

 

im Hintergrunde die Stadt Leipzig in Rauchwolken

gehüllt. Todte Pferde und Menschen sieht man

überall umherliegen. Oelgemälde.

Den  7 ten Febr.  war ich bei H. Brückner auf

der Papiermühle, wo ich eine sehr gute Aufnahme

hat, Madam Brückner bestellte mehrere

Ansichten von der Papiermühle, welche ich auf „

nehmen soll

Den 10 ten nahm ich 2 verschiedene Ansichten von der

Papiermühle auf. welche in Wasserfarben gemalt

werden sollen.  Die Eine stellt den Hofraum dar.

Vorn erhebt sich die Mühle mit vielen Wein

geschmückt, rechts und lings die Seiten Gebäude

auch alle Kleinigkeiten, was auf dem Hofe

herum liegt, darf nicht fehlen, Tauben und

Enten und andre Vögel befinden sich da, eine

Henne mit ihren Küglein schart im Dünger „

haufen, und der Hahn krähet, die beiden

Kettenhunde sind munter, und Kinder spielen

auf dem Hofe. Dieses malte ich 3 mal.

Das andre stellt die Papiermühle mehr im

Hintergrunde dar. Im Vorgrunde befinden

sich Eichen und Tannen und verschiedenes klei „

nes Gesträuch. Dieses malte ich vorläufig nur

einmal, denn es macht ziemlich viel Arbei(t)

Den 13 ten wurde bei Krieschens die Fastnacht

gefeiert. Es war nicht zu voll.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 020

 

Jahr 1836. Cottbus.

 

Den 15 ten Febr.  wurde die Fastnacht auf dem

Schießhause gefeiert, Es war dort außerordent „

lich voll.

Den 26 ten malte ich des Zimmermeister H. Eckerts

Wohngebäude nebst Umgebung in Oel.

Man sieht im Vorgrunde das mit Wein umgebene

Wohngebäude nebst umgebenen Häusern, im

Mittelgrunde befindet sich eine Gruppe Häuser

welche sich sehr gut ausnehmen, und im Hinter „

grunde die Holländische Windmühle mit dem

entfernten  Häusern am Spreewehr, und blau „

grünen Waldungen, wo man d(…) Spree im

Sande sich schlängeld, gewahr wird.

Den 14 ten Maerz – gestern Sontag ging ich gegen

Abend mit H. Petzold bei Kriesches, wo Tanz

war, Unterwegs erblickte ich Augusten mir

entgegen kommend, als sie uns erblickte, schlug

selbige sogleich einen Seitenweg ein, um mich

nicht zu begegnen.

Jetzt gab es mal viel zu thun, und ich darf

mich grade nicht sehr umsehn, nur wird es

immer sehr gering bezahlt. Denn gut gearbeitet

soll es auch sein, und so kann man  bei

aller vieler Arbeit doch nichts sparen

Die ganze Winter Abende habe ich bis jetzt bei

Kandlers zugebracht, wo ein vernünftiger

Schafkopf gespielt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 022

 

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Den 7 ten Märtz. Für das diesjährige Pfingstvergnügen möchte

ich mich gern zu guntschen suchen denn viel Vergnügen

habe ich dabei nicht, und ich wäre daher gesonnen

eine Vergnügungsreise in der  Sächsischen Schweitz zu

machen, wenn ich nehmlich  bei Gelde wäre.

Auch bringt es meine jetzige Lage so mit sich , daß ich

mich von allen sehr entfernt halte, denn da bin

ich am ruhigsten, und genieße mein Dasein zufrie „

dener.

Den 30 ten. In diesen Monat malte ich eine Ansicht von

Cottbus vor dem Luckauer Thor/ Viehmarkt, eine gegen

Mitternacht, und eine vor dem Spremberger Thore

den 3 ten April 1 ter Osterfeiertg. Die Feiertage brachte

ich meistens zu Hause zu, da auch die Witterung ungün „

stig war.

Den 18 ten machte ich einen Spaziergang nach Groß Osnig,

wo ich bei dem Herrn Bruchman*, eine sehr gute

Aufnahme fand

Den 19 ten spazierte ich früh nach Fehro. wo ich den

Zoll – Einnehmer  Schrebler besuchte, zurück ging über

Briesen, wo ich mich den Garten und Gewächshaus

der Baronin Wackerbarth ansah. Beim Heraus „

tritt aus dem Garten , gewahrte mich die Baro „

nin, und ich mußte mich gleich zu ihr setzen.

Dann fiel es ihr ein, ein wenig umherzuspazieren

wo nur ich ihr das Geleit geben sollte, und die

anwesenden Frauen sollten zurück bleiben „

 

 

 

 

 

Pfingstsonntag: Sonntag, der 22.05.1836

Pfingstmontag: Montag, der 23.05.1836

 

*Rittergutsbesitzer und  Kaufmann F.G. Bruchmann

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 023

 

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Sie stand auf ich mußte ihr meinen Arm reichen, und

so gingen wir Arm in Arm spazieren.

Den 8 ten April malte ich H. Klingmüller. Füselir

vom 8 ten Regiment. / Gubener /. in Pastell. Hatte Figur

in Hintergrunde ein Ansicht von Guben.

Den 24 ten April. Meine weiten Spaziergänge bekommen

mich recht gut, ich habe früher wenig Appetit zum

Essen gehabt, aber jetzt hat er sich recht vortreflig einge „

funden, nur die Geldverlegenheiten wollen sich

nicht verbessern,  früher konnte ich allein von

dem  Zeichenunterricht leben, jetzt hab ich nur

drei Schüler.

Den 25 ten machte ich einen Spaziergang nach dem

Dorfe Hähnchen.

Den 26 ten ging ich nach Leuten und Schorbus.

Den 27 ten Bustag. Nachmittag ging ich mit den

ältesten Sohn meiner Wirthin Fenchen nach

Branitz, wo es sehr voll war.

Diesen Monat malte ich 2 Ans  des Luckauer

Thores 1 Ans. des Spremberger Thores und 1 Ansicht

des Mühlenthores zu Cottbus.  Ferner den Schüt „

zenplatz und eine Ans. gegen Mitternacht von Cottbus,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 024

 

 

Jahr 1836. Peitz. Drebkau.

 

Den 4 ten machte ich mir ein Spaziergang nach Peitz.

wo ich einige Stunden, bei dem H. Berger Be „

sitzer der Spinnfabrik zu Peitz aufhielt, wo ich

eine recht gute Aufnahme hatte. Nachmittag

kehrte ich wieder nach Cottbus zurück.

Abend war ich ins Schauspiel, wo der Maskenball

u der Gustav III König von Schweden gegeben wurde.

Den 6 ten war ich ebenfalls ins Schauspiel, wo das

Stück gegeben wurde. Von sieben Mädchen die

häßlichste.

Mit den Morgenpromenaden nach Branitz will

dies Jahr nichts werden, denn der Mai ist sehr

kalt, und haben auch bis jetzt immer trübe Tage.

Den 10 ten ging ich nach Koschendorf wo ich mit

der Baronin frühstücken mußte, und eine

hübsche Dame zur Unterhaltung erhielt, von

da ging ich über Siwisch nach Drebkau, dann

spazierte ich noch einige Stunden  in der Umgegend

umher, und gegen  3 Uhr Nachmittag ging ich wieder

nach Cottbus.

Den 11 ten Mai besuchte ich wieder das Theater

es wurde gegeben. Die zwei Schwestern von

Prag oder der Schneider Kakadu

Den 12 ten Himmelsfahrtst. Ich war willens

nach Branitz zu gehen, aber ich muß diesmal

das Zimmer hüten, denn beim letzten Spazier „

gange haben meine Füße etwas gelitten, und

auch die Witter(ung) ist kalt, denn man muß jetzt noch

heitzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 025

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.           bleibt

 

Warum muß man so leiden, dulden, es wird einen

ja alles verbittert, man kann sich daher den Anblick

der Natur nicht erfreuen; Warum ist es so ein „

gericht, kann da also ein höchstes Wesen auf dem

Menschen wirkend? Gewiß nicht. Mann lebt also

sich nur zur Plage und der immerwährende Gram

verzehrt uns, und bringt uns zu früh ins Grab. So

geht es Gottes edelstes Geschöpf.

Den 22 ten Mai 1 ter Pfingstfeiertag. Die Feiertage habe

ich soweit recht ruhig verlebt, den 2 ten Feiertag wollte

ich früh nach Branitz, aber die Witterung war

kalt, und ungünstig, denn man muß jetzt noch im

Ofen heitzen.

Den 24 ten  3 ter Feiertag. war ich zum großen Zapfen „

streich kommandirt, welchen ich auch beiwohnte.

Die Schießtage hatten wir so ziehmliches Wetter,

jedoch sehr kalt, und mußten daher alle drei

Tage in blauen Beinkleide erscheinen.  Auch

hat der bisherige Major der Schützengülde

Angerstein das Comando niedergelegt nun es der

H. Justitzcommissarius Knoblauch übernommen

hat. Mir hat das Vergnügen dies Jahr recht

gut gefallen, überhaupt das ich etwas Beschäftig(ung)

habe, indem ich die Listen anfertigen muß.  also

dabei  Compagnieschreiber bin.

Auch unsern Hauptmann Jose verlieren wir jetzt

den selbiger ist dieses Jahr abgegangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 026

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Den Monat Mai hab ich vor Ansicht Cottbus gemalt

2 gegen Mittag. 2 gegen Mitternacht, eine vorm Schießhause,

eine vom Schützenhause, 1 vom Sandower und eine vor

dem Spremberger Thore.

Den 1 ten Juni machte ich einen Spaziergang nach Gr. Osnig

zum Gutsbesitzer Bruchmann.*

Den 3 ten war die Gränzfahrt. Ich ging zu Fuße hinaus

das Wetter war sehr schön, denn den Tag vorher

hatte es geregnet, und nun hatten wir schönsten

Sonnenschein. Auch müßte der Grenzplatz ein hübsches

Gemälde geben, mit den bunten Gewühl von Menschen,

auch die Gegend, ist sehr schön.

Nachmittag war ich auf dem Schießhause, wo das

Wetter wieder ungünstig wurde.

Nach Branitz bin ich dieses Jahr frühmorgens gar nicht

gekommen, indem theils die ungünstige Witter „

ung, theils die Kälte schuld war.

Von Berlin erhielt ich am 1 sten d.M. Nachricht wegen

meines Lotteriespiels, daß ich diesmal durchgefallen

wäre, was mir wieder ein Strich durch die Rech(nun)g

machte, indem nun alles beim Alten bleiben muß.

Denn mit dem Verdienst was zu erwerben, daß

geht nicht, denn da sorgt schon Gott dafür, daß man  

es zu nichts bringen kann.

Nachtrag : Den 3 ten Schießtag. beerdigten wir einen

von unsern Schützen, nehmlich H. Schopplick

welcher Unterofficier bei der Orangen Compag(n)i(e)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Rittergutsbesitzer und  Kaufmann F.G. Bruchmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 027

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

war. Die Orange Compagnie mit der gelben ver „

fügte sich beim Sterbehause wo die  Orange C den

Zug mit Militairischer  Musik  eröffnete, und die

gelbe den Schluß machte. Eine ungeheure Menge

Menschen hatte sich auf den Straßen und Friedhof

versammelt, Nach dem Begräbniß  marschirten wir

mit Musik, zum unsern Hauptmann.

Den 17 ten Juni ging ich nach Gr. Ohsnig  zum Guts „

besitzer  Bruchmann, wo ich einige Ansichten auf „

nehmen sollte. Ich wurde hier ungemein  gut auf „

genommen, und hatte hier die herrlichste Unterhal „

tung theils mit H. Bruchmann oder dessen Haus „

lehrer H. Reinecke oder den beiden Töchtern des

H. Bruchmann. Wir spazierten gewöhnlich im

Garten umher. Nachdem ich die eine Ansicht den

innern Hofraum gezeichnet hatte, mußte wieder

zur Erholung etwas pausirt werden, dann wurde

ich zum Mittagtisch geladen, wo die Unterhaltung wieder

recht lebhaft wurde. Nach aufgehobener Tafel

spazirt ich mit H. Reinecke auf dem Felde

umher, um ein passende Haupt-Ansicht auszusuchen,

aber wir fanden keine, überhaupt stand selbige

mir nicht an, daher machte ich selbst eine Partie

gegen Mittag, und fand auf eine Anhöhe was ich

suchte. Ich ging also retur, um meine Sachen zu holen

aber es war Caffezeit, daher mußte ich noch bleiben.

Nun machte ich mir auf den Weg, H. Bruchmann

 

 

 

 

 

 

*Rittergutsbesitzer und  Kaufmann F.G. Bruchmann zu Groß Oßnig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 028

 

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

versah mir noch mit Pfeife Taback und Feuerzeug, damit

mir die Zeit nicht lang werden sollte. In einer Stunde

war ich damit fertig. Ich kehrte nun zurück, aber

an kein zurückgehen  nach Cottbus war nicht zu denken

ich mußte also erst Abendbrot speisen, dann einige

Glas Bier trinken, und einige Pfeifen Taback rauchen

Nun wurde es ziemlich 8 Uhr. Jetzt machte ich mir

auf den Weg. H. Br. begleitet mich bis aufs Feld

wo ich dann Lebewohl sagte, und um 9 Uhr Abends

war ich wieder in Cottbus.

Diese beiden verschiedene Ansichten soll ich 16 mal,

jede 8 mal malen woru(n)ter 2 in Oelfarben

die übrigen 14 in Wasserfarben.

Den 18 ten vollendete ich ein Portrait von Kaiser

Napoleon. Lebensgröße. Halbe Figur in Oel.

Den 20 ten malte ich eine Ansicht des Hersch. Hofes

zu Gr. Ohsnig Wasserfarben.  In der Mitte

der  Hintergrundes erhebt sich das Schloß, umgeben

von den daranstoßenden verschieden(en)  Bäumen.

vorn die in grader Linie verschnittenen

Linden welche ein Rundtheil  bilden, inder

Mitte die Roseninsel mit den zierrästlichen

weissen Geländer, weiter vor schließt sich ein

grüner Zaun an die an der Seite laufenden

Barrierren, auf beiden Seiten des Hofes

läuft ein Lindenallee, rechts und lings  Neben „

gebäude, Taubenschl(a)g, Pumpe mit der Bornbüte

das Ackergeräthe, und eine Menge von

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 029

 

 

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Hünern, Enten Tauben Thruthähne, Pfauen

laufen auf dem Hof umher. nebst ein Paar

Kinder, welche das Vieh Federvieh füttern.

Den 22 malte ich ein Hauptansicht von Gr-Ohsnig

in Wasserfarben. Im Vorgrunde Getraidefelder

mit etwas Haide, woraus ein Jäger mit seinen

Hunde kommd. Im Mittelgrunde das Dorf Ohsnig

in der Mitte ragt die Kirche mit dem HerrSch.

Schlosse hervor, lings die Chaussee, welche nach Sprem „

berg führt. und den Weinberg des Gutsherrn.

Im Hintergrunde entfernte Waldungen wo in blau „

grauen Farben sich Cottbus erhebt.

Auch die Gemäldescheiben habe ich wieder erhalten wo es

jetzt etwas viel zu thun giebt, daher muß ich die

Morgenstunden zur Wasserfarbenmalerei, und

die Nachmittagstunden zum Oelmalen  benutzen.

In diesen Monat hat ich 1 Ansicht von Cottbus ggn

Mittag und 2 Ansichten des Schützenhauses gemalt.

den 1 ten  Juli malte ich Krieschens Kegelbahn

Innere Ansicht. Mehrer Herrn sind da versammelt

und rauchen Taback schieben Kugel, auf dem

Tische stehen Biergläser  Lampe und Fidibus

Ein Herr steht an der Tafel und schreibt, was

geschoben worden ist. Das Schankmädchen tritt

zu Thür herein und bringt ein Glas Bier ein

Herr streichelt ihr die Wangen. Wasserfar „

bengemälde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 030

 

 

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Den 3 ten Juli. Jetzt erbiete ich über einen ganz neuen

Plan, nehmlich. Mir will es in Cottbus gar nicht

recht mehr gefallen, und doch kann ich es nicht ganz

fahren lassen, da man hier mitunterhübschen

Verdienst hat. So wäre mein Plan, nach Guben

zu reisen , und da auch die Arbeiten, die dort

vorfallen, mit zu nehmen, und die Arbeiten welche

in Cottbus, nicht viel einbringen, fahren zu lassen.

Nur etwas beschwerlich werde ich es haben. und

ob es auch gelingen wird, ist ebenfalls eine Frage

denn meine Ausgaben werden dadurch vermehrt.

wenn selbige nicht durch eine gut(e) Einnahme gedeckt

werden.

Den 4 ten Juli. Jetzt male ich die Gemälde

Scheibe des H. Hennig. Das Stück stellt vor.

Vandammes* Gefangennehmung in der Schlacht

bei Culm am 30 ten August 1813.

Vandamme im Vorgrunde wehrt sich tapfer

gegen mehrere Kosaken, der eine Kosack

hat bereits den Zügel von Vandammes Pferde

ergriffen , und ist im Begrif den General

eines mit dem Säbel zu versetzen, indes da

sich Vandamme zur Gegenwehr setzt, sprenkt

ein anderer Kosack den vorigen zur Hülfe,

und packt den Arm des Generals, indeß noch

mehrere Kosaken herbeikommen. Die

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*1. französische Armeekorps unter General Dominique Vandamme bei der Schlacht bei Culm am 29. und 30. August 1813

 

 

 

 

 

Datei 031

 

 

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Franzosen reteriren allenthalben, Oestreicher

stehen aufmarschirt, und feuern hinterdrein, Preußen

welche die Berge besetzt, und Batterien errichtet

haben , fallen den Franzosen, im Rücken , recht

und lings hohe Gebirge, und im Mittelgrunde sieht

man Culm von Rauchwolken umgeben.

Dieses Stück find außerordentlichen  Beifall.

Den 17 ten Juli malte ich die Gemäldescheibe des H. Liersch

worauf nur ein einfaches Stück kam. Es stellt

vor Concordia in Wolken schwebend von meh „

reren Engeln umgeben. Dieses Stück machte

sich sehr zart, und hat ebenfals sehr gefallen,

obgleich viele , welche die Untermalung sahen

nicht viel zutrauen hatten, und einer mir

sogar fragte, ob den aus dieser Scheibe

noch etwas gescheites werden würde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 032

 

 

 

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Den 1 ten August.  Buntscheibenschießen

Den 2 ten desgleichen, heute war aber kein Tag

Ich mußte schon früh aufs Schießhaus.

Es soll nehmlich am morgend. Tage 3 ter Aug.

Königsgeburtstag heraus marschiert werden

indem H. Gebhart als doppelter Aeltermann

oder Ritter eine Adlerscheibe nebst Prämium

zum besten giebt, und auch der Geburtstag

des Königs so fällt, so werden große Vor „

bereitungen gemacht. Es soll nehmlich die

Collonade an diesen  Tage eingeweiht, und

daher alles aufs schönste angeordnet werden

Ich sollt daher diesen Tag auf dem Schießplatz

mit H. Schwenkenbecker sein, um alles

anzuordnen, wir erhielten mehrere Arbeiter

und 60 Knaben und Mädchen aus der Armen „

schule, um Guirlanden zu flechten.  Mehrere

Wagen mit Eichenlaub kamen herbei, und

so verbracht ich den 2 ten Aug.

Den 3 ten Aug. hatte ich vollauf zu thun, ich mußte

noch 2 Transparente mit Adler malen, wo

ich in 4 Stunden fertig sein sollte, dann putzen,

und nach 12 Uhr war ich in Parade bei meinen

Hauptmann. Der Ausmarsch geschah gegen 2 Uhr

dann kehrte ich wieder nach Hause, und hielt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 043

 

 

Jahr 1836. Cottbus.

 

(ei)n wenig Mittagsruhe, hernach verfügte

(…) mich wieder nach dem Schießplatze.

(D)ort war es ungemein lebhaft gewor „

(de)n. Abends war die Collonade präch „

(ti)g erleuchtet, und man las die Inschrift

(H)eil dem Könige und dem Vaterlande.

(A)uf beiden Seiten schwebte der Preu „

(ßi)sche Adler, zwischen der Schrift prangte

(de)s Königs Bildniß / Von mir ange „

(fe)rtigt in Oel, worüber die 4 Fahnen

(de)r Compagnien wehten. Zahllose

(G)uirlanden  u Kränze ziehrten die

(S)äulen u Seitenwände, die neuere

(Ein)richtung war prächtig verziert, drei

(K)ronenleuchter waren angebracht,

(in) der  Mitte waren ebenfals 4 Fah „

(n)en, welche kreuzweis an der Hinter „

wand angebracht waren, die Seiten „

(…)mer waren für  2 Compagnien be „

(st)immt, die andern beiden Compagnien

(pla)zierten sich auf den Schießhause ein.

(G)egen 9 Uhr war vor der Collonade

(g)roßer Zapfenstreich, nachher wurde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am linken Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 044

 

 

Jahr 1836. Cottbus

 

dem Könige ein dreimaliges Lebehoch (ge)

bracht, u das Lied angestimmt : Heil d(ir)

im Siegerkranz mit abwechselden K(a)

nonschüssen angestimmt. Nachher begann

der Tanz von neuen, und dauerte die N(acht)

durch fort.

Eine ungeheure Menge M(en)

schen hatten sich versammelt, um auch An-

theil am diesen Feste zu nehmen. Ich

verfügte mich schon vor 16 Uhr nach Ha(use)

Diese Feier  ordnete der jetzige Ma(jor) (?)

der Schützengilde der Justiz-Commissar

Knobloch. an welcher sich dabei sehr thät(ig)

bewieß.

Der 25 te August wurde heiter verbrac(ht)

Mit dem Ansichten von Gr Ohsnig in Wa(sser)

farben bin ich jetzt fertig. Auf die Hau(s)

Ansicht v. Ohsnig  brachte ich einen recht

hübschen Jäger an, welcher sich mit seinen

Hunde am Wege nieder gesetzt hat, d(ie)

Büchse neben sich gelegt hat, und sich ei(n)

Pfeifchen stopft.  Auf der Ansicht des inneren

Hofraumes brachte ich mehr Figure(n)

Federvieh und Kühe an. Bei den

beiden Oelgemälden von Gr. Ohsnig,

welche ich jetzt anfange bringe ich

freilich mehr Figuren an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am rechten Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

 

 

 

 

Datei 045

 

 

„Noch mal abschreiben“ mit Bleistift geschrieben

 

Jahr. 1836. Spremberg

 

Den 30 ten August. In diesen Monat malte ich nur

drei Ansichten von Cottbus, als der Viehmarkt, eine

Ansicht gegen Mittag und eine gegen Mitternacht.

Den 7 ten Sept. Mit meiner Reise nach Guben ist es

bisher noch nichts geworden, indem ich immer durch

verschiedene Arbeiten daran verhindert worden

bin.

Den 16 ten war früh gar zu schönes Wetter als daß

ich es so ungenießbar dahin gehen lassen sollte, ent „

schloß ich mich schnell, eine Partie nach Spremberg

zu machen, da ich auch so die nun ganz fertige

Chaussee bis dahin noch nicht gesehen hatte. Ich machte

mir daher sogleich auf den Weg, und langte in der

Mittagstunde dort an. Im Gasthof zum Anker

ward eingekehrt. Ich kam gerade zum Mittagbrodt,

zurechte. Gleich bei meinen Eintritt in die Stube

(s)teckten die beiden ältesten Töchter des Gast „

wirts die Köpfe zusammen, und eine fragte mir, ich

(k)äme ihr so bekannt vor, ich müßte schon mal

(h)ier gewesen sein, auf meine Antwort, daß ich vor „

anderthalb Jahren mit H. Höfern in Spremberg

war, schienen sie nun befriedigt, aber gleich darauf

sagte die jüngere der älteren wieder etwas ins Ohr,

worüber diese sehr  lacht, und als ich nach Tische mit

der älteren allein war, sagte sie mir, weßhalb sie

so gelacht hätte, die Schwester wollte nehmlich gerne

wissen, ob ich verheirathet wäre, und dieses wäre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 046

 

Jahr. 1836. Spremberg.

 

ihr lächerlich vorgekommen. Nach verschiednen scherzhaften

Gesprächen mit dem Mädchen, ging ich aus, und besuchte ver(schie)

dene Bekannte, und gegen 3 Uhr Nachmittags zeichne(te)

ich eine Wasserseite gegen Mitternacht von Sprem(berg)

Nachher kehrte ich zum Gasthofe zurück, gegen Abe(nd)

besuchte ich die Schwester von meiner jetzigen Köchin, da

ich ein Briefchen erhalten sollte. Hier wurde ich lang

aufgehalten, und ich mußte auch mit Abendbrodt essen

Nachher wurde wieder geplaudert, da auch dessen* Mann

dazu gekommen war, so war kein Fortkommen

Gegen 9 Uhr abends  verfügte ich mich wieder im Gasthof.

Es waren hier mehrere Fremde angekommen, unter an(deren)

ein Uhlanen Unteroffizir, mit welchen ich sogleich Bekanntsch(aft)

machte. Mein Abendbrodt blieb lange aus, so auch die ält(ere)

Tochter Luise ließ sich nicht sehen. Endlich erhielt ich mein Abend(brot)

mit vielen Entschuldigungen daß ich habe so lange warten

müssen von der zweiten Tochter Amalia. Nachden i(ch)

gegessen, unterhielt ich mich mit dem Unteroffizir, aber

ich wunderte mich daß ich Luise nicht zu sehen bekam

Auf die Frage wo selbige sei, wurde sie vom Vater

gleich gerufen, sie hatte sich ein anderes Kleid angez(ogen)

und drohet mir sogleich mit dem Finger, daß ich so lange

ausgeblieben, und sie meine Gesellschaft hätte den ga(nzen)

Abend entbehren müssen. ich brachte meinen  Entsch(luß)

vor, und sie schien zufrieden. Nachher saßen wir bi(s)

 

 

 

Anmerkung:

Durch die Bindung sind verschiedene Buchstaben am rechten Rand eingebunden und nicht lesbar. Die nicht lesbaren Buchstaben sind in Klammern gesetzt, und gegebenenfalls aus dem Sinn des Textes ergänzt.

 

*sollte wohl „deren“ heißen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 047

„bleibt“ mit Bleistift

 

Jahr 1836. Spremberg.

 

den Morgen zu Fuß gehen würde, ab mein

Bruder, den es nicht mehr in Spremberg

nicht mehr gefiel, nahm den Vorschlag an

und fuhr mit selbiger nach Cottbus. Ich un „

hielt mich daher mit dem Mädchen, und

schmeichelte der Amalie sehr. Um 12 Uhr

ging ich auf meine Stube, Früh nachdem

ich eine gute Nacht gehabt, und mein Früh „

stück verzehrt, reißte ich von Spremberg

unter den Versprechen, bald wieder zu

kommen ab, wo ich den in Cottbus um

12 Uhr ankam. Auch mit dem Sohn des Gast „

wirths Thomas stehe ich auf sehr freund „

schaftlichen Fuß.

den 20 ten October. Arbeit giebt es jetzt sehr

viel, und die Einnahmen sind so, daß man

alle Monate etwas in die Sparkasse

tragen kann.

Jetzt male ich wieder mehrere Ansichten

von Cottbus auf Bestellung.

Den 28 ten October. Heute schickte der Fabrik“

besitzer Kittel von Madlow zu mir, doch

heute so bald als möglich zu ihm hinaus

zu kommen, da er was nothwendi „

ges mit mir zu sprechen hätte. Ich ging

also hinaus, und der Zweck war, ob ich

 

 

Textlücke

hier fehlen 1-2 Seiten  (Anmerkung H. Regenstein)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 048

 

Jahr 1836. Cottbus.

 

Weinachtsbescherungs für Kittels nach Madlow

bestimmt ist, nach meiner Zeichnung der

Berliner Domkirche, diese Arbeit kam

mir sehr erwünscht, indem ich die langen

Winterabende damit ausfüllen kann

und auch dergleichen Arbeit sehr gern

mache.

Den 22 ten. Sonntags ging ich mit meinen

Herman mit (…) nach Madlow, wo

ich mich immer einer guten Aufnahme

erfreue.

Den 24 ten Decembr. Heiligen Christ-Abend.

brachte ich mit mein Mädchen einsam

zu Hause zu.

Das Weihnachtsfest brachte ich ruhig und

zufrieden zu Hause zu, blos den 1 ten

Feiertag brachte ich in Madlow zu,

wo es mir sehr gut gefiel. Die

Töchter mußten uns auf dem

Clavier was vorspielen, mir gefie „

len besonders , Bertram Abschied

vom Vaterlande, und Denkst du

daran, mein tapferer  Lagienka

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 041

 

 

Jahr 1836. Cottbus.

 

den 28 Decembr. Diesen Monat mal „

te ich eine Ansicht v. Spremberg und ei „

nige Ansichten von Cottbus in Wasser „

farben.

31 te Sylvester Abend brachte ich zu

Hause zu, und berechnete meine

Einnahmen und Ausgaben.

Dies Jahr 1836 war ein Jahr, bedeu „

tend besser als wie das vorige,

Schulden brauchte ich nicht zu machen,

konnte alles baar bezahlen, ich

konnte doch was ansehnliches in

die Sparkasse tragen, könnte

ich  meine Gelder alle einkriegen

so könnte ich ein hübsches rundes

Sümmchen, zusammen bringen

den drücken will ich die Leute

ja auch nicht gern, und es kommt

doch immer zurechte, so bin ich

also recht zufrieden. Vergnügun „

gen hab ich dies Jahr nicht mitgemacht,

denn es gab keine Gelegenheit dazu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 042

 

 

Jahr 1836. Cottbus.

 

Gemälde

welche ich im Jahre 1836 angefertigt habe

waren folgende.

 

1. Das Portrait des H. Zeidler Füselir vom 8 ten Regiment

   (Gubener) halbe Figur in Miniatur nach der Natur.

2. Napoleons verhängnißvollster Augenblick beim

   Verlust der Schlacht bei Leipzig den 18 ten October 1813.

   Oelgemälde

3. Zimmermann Eckerts Wohngebäude nebst Umgebung

   nach der Natur in Oel.

4. Das Portrait des H. Klingmüller Füselir vom

   8 ten Regiment (Gubener) halbe Figur nach der

   Natur in Pastell.

5. Portrait des Kaisers Napoleon ziemlich in

   Lebensgröße, halbe Figur in Oel.

6. Die Gemäldescheibe des H. Hennig. Vandammes

   Gefangennehmung in der Schlacht bei Culm durch

   die Kosaken 1813. in Oel

7. Die Gemäldescheibe des H. Liersch. Concordia

   in Wolken schwebend mit Engeln begleitet in Oel.

8 Eine Ansicht von Gr. Ohsnig gegen Mittag in Oel.

9. Eine Ansicht des Hschaf. Hofes von Gr. Ohsnig in Oel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung : hier Anschluß Datei 49

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 049

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

10. Einen Garde – Uhlanen zu Pferde mit der Ansicht

      des Monuments auf dem Kreuzberge  und Berlin

      Portrait des H. Zöllner nach der Natur in Oel.

11. Ein kleines Mädchen von Lehmanns Portrait

      Halbe Figur nach der Natur in Oel.

      Nun (…) noch 8 Ansichten von Gr. Ohsnig gegen

      Mittag in Wasserfarben. und

8 Ansichten des Herrschaft. Hofes von Gr. Ohsnig.

2 Ansichten von Spremberg gegen Mitternacht.

Außerdem 54 Ans. von Cottbus. als

4  Ans. gegen Morgen

11                 Mittag

1                   Abend

11                Mitternacht

6 von dem Spremberger Thore

6                Luckauer            

4                 Sandower          

6                 Mühlen              

und 5 Ansichten des Schützenplatzes.

Nun folgen noch 10 Partien der Umgebung von

Cottbus. als.

2 Ansichten des neuen Schießhauses.

1 Ans. vom Kaufmann Geihsler Wohngebäude

1                                     Müllers Wohngebäude

1                    Zimmermstr. Eckerts  Wohngebäude

4 Ansichten der Papiermühle.

1 Ansicht von Krieschens Kegelbahn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 050

 

Jahr. 1836. Cottbus.

 

Diejenigen

die ich im Jahr 1836 im Zeichnen

unterrichtet habe.

 

1.  Müller I       4. Kittel aus Madlow     7. Winkler aus Heinrichsfeld

2.  Müller II      5. Vetter                                                     bei Spremberg

3. Zwahr.          6. Wolf aus Muskau      8. Zesch.

 

Die letzten beide für 1836 hinzu „

gekommen.

Zusammen 8.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 1837

 

Datei 033 bis 040

Datei 051 bis 057

 

Transkription Udo Bauer (Dezember 2016)

Mit Berichtigung Febr. 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 33

 

Jahr. 1837. Cottbus.

 

Die folgende Seite ist eine Bildinterpretation zu „ Großvaters Unterrricht“

(Erläuterung Hartmut Regenstein)

 

Gesangbuch und bin in der Oberklasse. / Großvaters Unterricht ein Oelgemälde

Nun wir wollen schon. Lies mir einmal

das heutige Evangelium vor.

Sie bleibt gleich beim ersten Worte stecken.

Die Bilder und Zierrathen um das I  machen               

den Buchstaben  unkenntlich.

Der Großvater hat die Hand auf ihre

Schulter gelegt und spricht : besinne Dich !

Dieses ist auf den Bilde dargestellt, also

nun weiter.

Ja sagt das Mädchen, in meiner Bibel kann

ich wohl lesen, da sind die Buchstaben ganz

anders. Sage mir den ersten Buchstaben.

Drauf blickt sie ihn an. Der Alte wartet

noch ein wenig, im nächsten Augenblick wird

er ihr denselben nennen und das Mädchen

wird so schnell lesen : „Im Anfang war das

Wort und das Wort war bei Gott usw.

Daß der Großvater nicht nachfolgen kann.

Jetz ist die Probelection beendet. Der

Greiß erfreut, über die Fertigkeit seiner

Enkelinn, steht auf giebt ihr  zwei Bir

nen statt einen, das Mädchen springt er „

freut davon, als ob es ein Königreich

erhalten hätte. Sie erzählt der Mutter,

was sie bekommen habe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier fehlen die Monate Januar bis August 1837.

(Hartmut Regenstein)

 

 

 

 

Datei 34

 

Jahr. 1837. Cottbus

 

Den 20 ten August. war ich zum Geburtstage in Madlow

wo ich einen sehr schönen Tag hatte.

Den 25 ten Mein Geburtstag, Wurde diesmal aus

Mangel an Zeit, den darauffallenden  Sontag gefeiert.

ich erhielt von der Tochter des Fabrikbesitzers Kittel

einen Kranz.

Den 6 ten Sept. Meine hübsche Nachbarin  ist jetzt abge „

reißt, und ich bin Ihres Anblicks nicht beraubt.

Den 10 ten Sept. wurde hier in der Oberkirche  ein selte „

nes Fest gefeiert. nehmlich das 50 jährige Dienst „

jubileum des Superindentend Bolzenthal. Die

Kirche war bekränzt, der Jubilar wurde gegen

10 Uhr früh von den Magistratspersonen , und allen

Geistlichen des Kreises aus seiner Wohnung abgeholt.

und in der Kirche geführt, wo gleich nach dessen

Ankunft der Gottesdienst seinen Anfang nahm.

Nach dem Gesange betrat der Jubilar die Kanzel

und hielt die Rede. Nach der Predigt wurde selbiger

zum Altar geführt, wo er sich auf ein für ihn be „

bestimmten mit Blumen umwundenen Armsessel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 35

 

Jahr. 1837. Cottbus.

 

niederließ, die übrige Geistlichkeit wo etwa

20 an der Zahl, in Halb Mond Kreis um ihn

schloß. Hier segnete der Doctore Berger den

Jubilar ein. / Dieser Berger wurde erst vor

wenigen Wochen hier in der Oberkirche eingesetzt,

und war der Superintendent Bolzenthal sehr

gefaßt, welcher sich zur seiner eignen Schande sich

aller erdenkliche Mühe gab, um zu verhindern,

daß dieser rechtliche Mann, nicht zu der Stelle

gelange, ihn sogar bei seiner Probe – Predigt stöhrn

wollte, indem er während dessen Predigt ein

großes Resainoment* in der Kirche erhob, das

sich die Zuhörer gestört sahen, und die Poli „

zei zu Mittel einschreiten wollte. /

Nachmittag fiel die Predigt in der Kirche aus.

Daher aber ein Mittagsmal in Saale des Hern

Lehman wo der Fuchsschwanz von Magis „

trat einen silbernen Lorbeekranz mit dazu

passender Inschrift, und von den H. Predigern

des Cottbusser Kreises einen silbernen Pokal

erhielt.

 

Mögliche Deutung :

Resentment (englisch), ressentiment (französisch) = Groll (deutsch)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 36

 

Jahr. 1837. in Guben.

 

den 12 ten malte ich den Heiratsantrag vom

Helgoland.*

Den 13 ten Die Bürgerschaft sammelt jetzt ein Collecte

um den H. Superindenten Bolzenthal in Lebens „

größe malen zu lassen, um ihn in der Kirche

aufzubewahren.

den 14 ten malte ich wieder einen Heiratsantrag

in Oel etwa 2 Fuß lang.

Den 4 ten October, kam ein Bote von Guben zu

mir, da in Guben die Frau des Buchbinder H.

Richter schnell gestorben, so wünschten die Ange „

hörigen diese Person gemalt zu haben, und

sanden deshalb in der Nacht einen Boten nach

Cottbus, Ich mußte mich also sogleich zurecht machen.

eine Fuhre besorgen, und um 12 Uhr fuhren

wir von Cottbus ab, wo wir unter man „

cher Verdrißlichkeiten, indem unser Fuhrmann

stets besoffen war. Abends um 11 Uhr an „

kamen. Ich wurde sogleich in das Haus, wo

sich die Verstorbene befand eingeführt, und

 

 

 

 

* Gemälde von Rudolf Jordan (*04.05.1810 +20.03.1887)

   Öl auf Leinwand, Düsseldorf 1834

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 37

 

Jahr 1837. in Guben

 

nachdem ich einige Tassen Caffe getrunken, die

Nacht um 12 Uhr bis 1 Uhr die Zeichnung entworfen,

die Frau ruhete im Sarge, mit einen blau seid „

nen Kleide angethan. Nach der Arbeit wurden

wieder einige Tassen Caffe getrunken. D. Nun be „

gleitete man mich in den Gasthof zum Löwen,

wo ich nun logierte: Ein Mädchen führte mich in

mein Zimmer, und wünschte mir eine gute Nacht.

Nachdem ich prächtig geschlafen stand ich schon um

6 Uhr wieder auf. sah um 7 Uhr den Zug des

Leichenbegängniß der Buchbinder Richter vom

Fenster herab zu. Dann machte ich mehrere

Spaziergänge besuchte den Justitz Commissar

Ohnesorge, und fügte mich wieder nach meiner

Wohnung, wo ich nun meine Arbeit begann.

Ein schwer(es) Stückchen hatte ich vor mir, ich

sollte selbige Person als lebendes Portrait

mit gesenkten Augen malen. Nachmittag über

malte ich fleißig, des Abends war ich bei mei „

nen Wirth, wo ich mich mit dessen Sohn und

Tochter sehr unterhielt. Den andern Morgen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 38

 

Jahr 1837.  Guben

 

arbeitete ich sehr fleißig und betrachtete in Muße

Augenblickte das exercirende Militär auf dem

Marktplatze. Auch Richters vergaßen mich

nicht und versahen mich mit Semmeln Wurst

und Wein. An Besuch fehlte es mir auch nicht

und erhielt auch von der Wirthtochter mehrere

Besuche, welche überhaubt sehr artig gegen mich

war, und mir alle Bequemlichkeit verschafte.

Abends war ich mit meinen Porträt fertig,

nach Aussagen derer, die es sahen, war es

sehr gelungen. Jetzt ging ich wieder spazieren.

Den Abend verplauderte ich mit der Tochter

des Wirths. Den andern Morgen gab ich das

Gemälde ab, und ich erhielt Fuhre, wieder

nach Hause reisen zu können. Gegen

10 Uhr früh reißte ich ab. Anfang ging alles

gut, denn ich hatte einen hübschen jungen

Kerl zum Kutscher. aber ungefähr 3 Stun „

den von Cottbus ging es mit dem Fuhr „

werke sehr schlecht, das Pferd konnte vor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 39

 

Jahr 1837.  Cottbus

 

Müdigkeit nicht mehr fort, und so saßen wir

mitten in der Heide im Regenwetter, muß „

ten in der Finsterniß das Pferd noch mal vor „

legen, dann wieder gemeinschaftlich antreiben,

und wollten gern nach Metzdorf*, wo wir dann

mit Mühe und Noth ankamen, übernachten,

Aber, hier war kein Stall für das Pferd zu be „

kommen, und so mußten wir nach Cottbus

wo wir Abends um 10 Uhr ankamen.

Der 10 te October. malte ich den Heiratsantrag auf

Helgoland in Oel.

Der 14 te malte ich das Portrait des jetzigen

Königs in Oel.

Der 18 te malte ich das Stück Grosvaters Unter „

richt in Oel.

Den 20. malte ich ein Stück Schreib an deinen

Vater. Es stellt vor. Eine Dame in Negligee

Kleidung, sitz am Tische auf einen Stuhl

von rohen Birkenholz, auf ihren Schooß einen

kleinen Knaben, welcher selbiger die Hand

in welcher er eine Feder hält, führt, um

einen Brief an den abwesenden Vater

 

 

* Merzdorf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 40

 

Jahr. 1837.  Cottbus

 

zu schreiben, ein etwas älterer Knabe steht

auf einen kleines Bänckchen mit untergestützten

Armen, und siehet der Schreiberei zu. Die

Umgebung bildet ein Garten. Oelgemälde.

Den 6 ten November. Der Vaterlands Vertheitiger.

Oelgemälde. Im Hintergrunde Polnische Uhlanen

im Gefecht. Im Vorgrunde blessirte und todte

Soldaten. Ein hübsches polnisches Mädchen führet

einen polnischen Offizier welcher verwundet

in ihre Hütte, um ihn zu pflegen ge dieser stützt

sich auf seinen Degen, indem er den andren

Arm um des Mädchen Hals geschlungen, welche

theilnehmend ihn in ihre Hütte führt.

Den  9 ten malte ich den Schützenplatz(t) in Wasser „

farben. nach Grüneberg* bestimmt.

Den 13. Zur Kirmes in Madlow.

Den 16. malte ich des Großvaters Unterricht in

Oel.

Den 20 ten malte ich eine Ansicht von Cottbus

gegen Mittag mit vielen Figuren, welche nach

Crossen* bestimmt ist.

 

 

* Sehr wahrscheinlich das heutige polnische Zielona Gora. (Schlesien)

* Das heute polnische Krosno (an der Oder)

 

 

 

 

Anmerkung : Datei 41  bis 50 sind „1836“ und nicht fortlaufend 1837 im Text !

                         Erst mit Datei 51 wird „1837“ fortgesetzt !

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 51

 

Jahr 1837.  Cottbus.

 

Den 29 ten Decembr. malte ich einen Mame „

lukken zu Pferde in Oel.

Den 31 ten Sylvesterabend. Gegen Abend

ging ich zu Kandlers, wo tüchtig gepunscht

wurde.

Besondere Bemerkungen

von dem verflossenen Jahre.

Dieses Jahr ist nur in Betreff der

Geschäfte ein mittelmäßiges zu

nennen, nur vor Weihnachten

besserte es sich  etwas, wo ich auch

recht zufrieden sein konnte.

Viel Erheiterung hatte ich an mei „

nen Herman, welcher auch bis jetzt

recht folgsam, kommt er aber nach

Hause, dann hört er wenig auf

mir, und macht was er will, und

wird von den Eltern begünstigt.

Meine Einnahmen hatten sich nach

meiner Berechnung besser gestaltet,

als wie ich Anfangs dachte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 52

 

Jahr 1837.  Cottbus.

 

Gemälde die ich im Jahre 1837

angefertigt habe.

1. das Portrait d. Kaisers Napoleon

    halbe Figur in Oel.

2. Portrait der Frau Baschan, halbe

    Figur in der Natur in Pastell.

3. Port. d. Frau Haskaszka desgl.

4. Port. d. Canzl. Insp. Putlitz. Kreidezeichnung.

5. Portr. des General Seidlitz Brustb.

    in Oel, Copie nach einen Gemälde.

    seiner Tochter

6.  Eine Madonna mit den Christus

      kinde, ganze Figuren in Oel.

7. Die Mittagsruhe bei d. Erndte  XXXX H.

8  Der Heiratsantrag auf Helgoland.

    Genre Stück

9 Ein Portrait v. Friedr. II. Oelgemälde.

10. Ein Portrait v. Friedr. Wilhelm III.

       Oelgemälde.

11. Ein Portrait von Friedrich II.

       Oelgemälde.

12. Eins desgleichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 53

 

Jahr 1837.  Cottbus.

 

13. Das Portrait des jetzigen Königs in Oel.

      Brustbild.

14. Desgleichen

15. Das Portrait des Kaisers Napoleon

       Brustbild in Oel.

16. Desgleichen.

17. Das Portrait des Kaisers Nicolaus von

       Rußland Brustbild in Oel

18. Desgleichen.

19. Das Portrait des Prinzen Karl von Preu „

       ßen, Brustbild in Oel.

20. Desgleichen.

21. Das Portrait von Friedrich II. Brustbild

       in Oel.

22. Das Portrait des Kaisers von Rußland

       Brustbild in Oel.

23. Das Portrait von Luther. Brustbild

       in Oel.

24. Das Portrait des Prinzen Wilhelm von

       Preußen. Brustbild in Oel.

25  Das Portrait des jetz. Königs. Brustbild

       in Oel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 54

 

Jahr 1837.  Cottbus.

 

26. Das Portrait des jetzigen Königs groß For „

       mat in Generals Uniform. Oelgemälde

27. Desgleichen in Garde Uniform. Oelgemälde

28. Desgleichen klein Format. in Oel.

29. Das Portrait des Herzog Karl von Meklen „

       burg Strelitz. Brustbild in Oel.

30. Das Portrait des Prinzen Wilhelm von

       Preußen. in Oel

31. Das Portrait des Kronprinzen von Preußen

       Brustbild in Oel.

32. Das Portrait des Kaisers von Rußland in 

       Oel

33. Das Portrait des Kaisers Napoleon. Brust „

       bild in Oel.

34. Das Volksfest. Großes Oelgemälde. Genre Stück

35. Das Portrait von Friedrich II. Brustbild in Oel

       Brustbild in Oel.

36. Bachus tränkt seine Panther. Großes Oel „

       gemälde.

37. Die Kegelbahn. Oelgemälde. Genre Stück

38  Eine kleine Gemälde-Scheibe. Eine Satyre

       von Cottbus. Der Krebs.* Oelgemälde

 

 

 

 

* Der Krebs ist das Cottbuser Wappentier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 55

 

Jahr 1837. in  Cottbus.

 

39. Des Großvaters Unterricht. Oelgemälde. Genre St.

40. Der Heiratsantrag, zu Helgoland. Oelgemälde G.

41  Desgleichen. in Oel. Genre Stück

42  Desgleichen  in Oel. Genre Stück.

43. Portrait des jetz. Königs. Brustbild in Oel.

44. Der Heiratsantrag auf  Helgoland, großes 

       Oelgemälde. Genre Stück.

45. Schreib an den Vater. Oelgemälde. Genre Stück.

46. Das Portrait des jetzigen Königs von Preußen

       Brustbild. Lebensgröße in Krönungsor „

       nat. Oelgemälde.

47. Das Portrait der Buchbinder Richtern

       nach ihrer Leiche in Guben gemalt in Pastell

48. Das Portrait des Königs von Preußen.

       Brustbild in Oel.

49. Des Großvaters Unterricht. Oelgemälde

      Genre Stück.

50. Der Vaterlandsvertheidiger Oelgemälde

       Genre Stück.

51. Friedrich der Große zu Pferde. Oelgemälde.

      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 56

 

Jahr 1837. in  Cottbus

 

52. Der große Churfürst schlägt die Schweden

bei Fehrbellin. Oelgemälde.

53. Friedrich II. zu Pferde. Oelgemälde.

54. Desgleichen. Oelgemälde.

55. Friedrich II. Brustbild in Oel.

56. Einen Mamelukken zu Pferde Oelgemälde.

      und mehrere Ansichten von Cottbus. u dg.

als

58. 2 Ansichten gegen Morgen.

59. 5 Ansichten gegen Mittag.

63. 5 Ansichten gegen Mittag.

68. 5 Ansichten gegen Abend.

71. 3 Ansichten gegen Mitternacht.

75. 4 Ansichten vor dem Spremberger Thore.

78. 3 Ansichten vor dem Luckauer Thor.

89. 5 Ansichten vor dem Sandower Thore.

87. 4 Ansichten vor dem Mühlen Thore.

90. 3 Ansichten des Schützenplatzes.

Partien von Cottbus.

91. Das neue Schießhaus zu Cottbus.

92. Das Wohnhaus des Schlossermstr. Petzold.

93. Das Wohnhaus des Zimmermstr. Eckert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 57

 

Jahr 1837. in  Cottbus

 

95. 2 Ansichten von Spremberg, als gegen

      Morgen und Mitternacht.

96. 1 Ansicht von Forst gegen Mitternacht.

       alle sämmtlich in Wasserfarben.

 

Diejenigen

die ich im Jahr 1837 im Zeichnen

unterrichtet habe.

1. Müller I.                               5  Wolf aus Muskau.

2. Müller II.                              6  Winkler aus Hein „

3  Kittel aus Madlow.                 richsfeld bei Spremberg.

4. Vetter                                   7. Zesch.

 

Hinzugekommen 1837.

8. Scharpe.

9. Hammer aus Forst.

10. Vetter II.

11. Herr Dahle. Kandidat d. Theologie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 59 bis 69

 

No. 413

 

Mein

Tagebuch

von 1838 bis 1841.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 60

                            durchgesehen“ (mit Bleistift geschrieben)

Jahr 1838. Cottbus.

 

Das  Tagebuch 1838 beginnt erst mit dem 9. Juli ( Erläuterung Hartmut Regenstein)

 

den 9 ten July. Jetzt male ich eine Gemälde „

scheibe. auf selbiger kam der Brand des alten

Schießhauses. Das Schießhaus steht in vollen

Flammen ringsherum ist Nacht. Die Men „

schen kommen hinzu geströmt um zu sehen.

Im Vorgrunde liegen schon eine Menge

Sachen welche gerettet worden sind, die Besit „

zerin weilt mit ihrer Tochter bei dem „

selben, auch der Pfilaks hat sich bei dem

Betten gelagert, und betracht selbige. An

einen Tische worauf mehrere Gläser Flaschen

und anderes Geschirr steht, hat sich ein

alter Bürger gemächlich hingesetzt, und beschau „

et so den herlichen Brand. Alle Personen

welche hinzugelaufen, ergötzen sich an das

herliche Feuer. Einige machen sich ein Brand

de und rauchen gemächlich ihre Pfeife,

Kinder sind dazu behüflich, und bringen

brennende Späne, Die Schützen sind beschäf „

tig ihre Büchsen und Schieß-Kasten zu retten.

Die Spritze steht da, oben der Mann der

den Schlauch führen soll, steht lehnt sich an

das Rohr, und betrachtet das Feuerchen

während

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 61

 

Jahr 1838. Cottbus.                       

 

die Polizei die Leute zum Spritzen antreibt.

doch wenn man kein e Hosenträger hat, und

die Hosen bei der Arbeit verlieren soll

versteht sichs von selbst, da kann man nicht

helfen. oder man soll die Pfeife lassen

ausgehn, oder sich den schönen Anblick des

Feuers, und deren Beleuchtung sich rauben

lassen, und so hatte jeder seine Ausrede

genug die Spritze blieb unbedient. Das

obere Sparrwerk fällt schon Balken zu

Balken brennend herab, die Tauben schwirren

umher bis sie schreiend in den Flammen

ihren Tod finden. Dies ist das Gemälde

welches auf der ersten Scheibe gemalt

worden ist.

Den 11 ten July malte ich das Portrait eines

Mädchens nach der Natur in Pastell.

Den 13 ten July. hatte ich mit der Barbier

Richter den ersten Termin auf den Landge „

richt wider die W. Petersdorf. Die Richtern

verglich sich und jede Partei zahlte 1 rtl. 21 ½ sg.

Kosten.

Ich wurde verklagt Wegen Nichtzahlung

des Jahrmarktgeldes und Aufgeldes

 

Fehlt hier eine Seite ? (Hartmut Regenstein)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 62

 

Jahr 1838. Cottbus.                       

 

Der 3 3te August. Königs – Geburtstag. und

hier Vogelschießen. Es wurde eoin  Heraus „

marsch die Schützen veranstaltet, aber die

Compagnieen waren sehr schwach. Auf dem

Schießplatze fiel auch noch das Ubel vor, daß

beim Heraufziehen des Vogels, die Stange

brach, und der Vogel zertrümmert wurde,

und des Abends spät, ein tüchtiger Streit

wurde, indem der zweite Schützen König

sein Königsschmuck wegwarf, und er hir „

auf der Königswürde für verlustig er „

klärt.

Den 15 ten malte ich das Stück die Wäscherinnen

Oelgemälde. Im Hofe eines Bauer Gehöfts

wird große Wäsche gehalten. Die Hausfrau

wäscht mit der Waschfrau und plaudern, um

sich die Arbeit zu erleichtern Die Tochter von

Hause bringt noch ein Faß Wäsche hinzu,

indem die Köchin mit Klotzpantoffeln

aus der Küche einen Topf mit heißen

Wasser bringt neben dem Hause sitzt

ein kleiner Junge, und dieser betrachtet die

Plauderei, in Mittelgrunde romantische

Gegend mit Flüsse Mühlen und Gebirge.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 63

 

Jahr 1838. Cottbus                      

 

Im Vorgrunde liegen Waschkorb, Kessel Wasche „

leine, ein Sack mit Klammern umhergestreut.

Den 20 ten vollendete ich die Schlacht an der Katzbach.

Man erblickt Blüchern mit seinen Adjutanten

im Getümmel umhersprengen. Die Preußen

stürzen die Franzosen scharenweise in der

hoch angeschwollenen Katzbach. worin schon

allerlei Geräthschaften umherschwimmen. Pferde und

Menschen sich aus derselben zu retten suchen. Immer

mehr Preuß. Fußvolk drängt sich heran

besonders zeigen sich die Schlesischen Uhlanen

thätig. Im Hintergrunde Gebirge auf

welchen alles von Soldaten und Kanonen

wimmelt und Regenwolken umziehen

den Himmel. Oelgemälde.

Den 25 ten August. Mein Geburtstag. Ich erhielt

von meiner Köchin einen Kranz. und von

Herman ein Pouket Feldblumen nebst

einer langen Pfeifenspitze.

Den 26 ten Bisher bin ich mit diesen Jahre

zufrieden gewesen. Es ging alles recht gut

so weit gute Einnahmen. Keine Verdrieß „

lichkeiten, bis auf die, von meiner Köchin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 64

 

Jahr. 1838. Cottbus                       

 

auf den Grund eines Versprechens niemals

gerichtlich ein klagen, und wenn es schon gegeben

worden, durch Schuld des Gesindes aufs Lohn

angerechnet werden kann. Gesinde Ordnung

§ 34 und 36.

3. Wegen des nächtlichen Aussenbleibens und des

Schimpfens auf der Herschaft hat selbige das

Recht den Dienstboten aus dem Hause

zu jagen, und des Dienstes zu entlassen

4   Dies besagt Gesinde – Ordnung § 117. 125.

4  Lohn und Kostgeld kann der Dienstbote

nur fordern, in der Zeit wo er wirk „

lich gedient hat. Dies besagt Gesinde „

Ordnung § 150.

Kosten hat die Klägerin zu zahlen.

So brilliant endigte dieser Prozeß, hätte

das Mädchen die 15 sg noch genommen

welche selbige aufs Lohn noch heraus

bekam, und ich ihr anbot, aber so müßt sie

sich von ihren Vormund zum Klagen

überreden lassen und nun nichts erhal „

ten und noch Kosten bezahlen.

Den 27 Sept. malte ich Friedrich II zu

Pferde Oelgemälde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 65

 

Jahr 1838. Cottbus.                       

 

Den 1 ten October zog meine neue Köchin ein , von welcher ich

mich mehr versprache, wie von der vorigen.

Den 14 ten ging ich nach Madlow zur Kirmeß, wo ich einen

recht vergnügten Tag hatte.

Den 20 ten malte ich eine Ansicht von Cottbus gegen Mitter „

nacht in Oel.

Den 29 ten malte ich das Schloß Fischbach in Schlesien

Oelgemälde. Man erblickt das Schloß im Mittelgrunde

vom Gebüsch umgeben, im Hintergrunde die blauen

Gebirge von der Sonne beleuchtet. im Vorgrunde

rechts und links Tannen – Waldung. Figuren

spaziren auf den grünen Wiesen umher und ein

Bauernmädchen ist mit der Wäsche beschäftig, welche

sie auf den Rasen ausgebreitet hat, um selbige

zu blaichen.

Den 5 ten Nov. zeichnete ich das Portrait des H.

Kandler. halbe Figur. Kreide – Zeichnung in der

Uniform eines Cottbusser Schützen.

Jetzt bin ich so recht heiter und vergnügt. Viel Arbeit

keine Verdrießlichkeiten, indem sich meine Lage

sehr gebessert hat.

Den 16 ten malte ich das Portrait des H. Flohr halbe

Figur in der Uniform eines Schützen der Görlitzer

Garnison im Hintergrunde Görlitz. in Pastell

nach der Natur.

 

 

Hier fehlen mehrere Seiten, insbesondere die Jahreszusammenfassung. (Erläuterung Hartmut Regenstein)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 66

 

Jahr. 1838. Cottbus.                       

 

Gemälde, welche ich im Jahre 1838.

angefertigt habe.

 

1.  Mehemet Ali.  Vice König von Egypten zu

     Pferde Oelgemälde.

2. Napoleon zu Pferde umgeben von seiner

    Suite. Oelgemälde.

3. Friedrich II zu Pferde Oelgemälde.

4. Die Kegelbahn. Genre Stück. Oelgemälde.

5. Friedrich II zu Pferde. oelgemälde.

6. Die Jäger vor dem Wirthshause. Oelgemälde.

7. Friedrich II. zu Pferde. Oelgemälde.

8. Ein russischer Schlitten von Wölfen angefallen

     Oelgemälde.

9. Friedrich II zu Pferde. Oelgemälde.

10. Die Jäger vor dem Wirtshause. Oelgemälde.

11. Friedrich II zu Pferde. Oelgemälde.

12. Das Portrait der Frau Baschan halbe

       Figur, nach der Natur in Oel.

13. Friedrich II zu Pferde. Oelgemälde.

14.  Dito.

15. 1 Grenadir vom II Garde Regiment nach

      der Natur, in Pastell.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 67

 

Jahr 1838. Cottbus.                       

 

 

16.  Friedrich II zu Pferde. Oelgemälde.

17. Dito.

18  Das Portrait des jetzigen Königs. Brustbild

      in Oel.

19. Das Portrait eines Mädchen Brustbild

       in Pastell.

20. Die beiden Alten. Genre Stück Oelgemälde.

21. Friedrich II zu Pferde. Oelgemälde.

22. Eine Gemälde-Scheibe. Den Brand des alten

       Schießhauses zu Cottbus. Oelgemälde.

23. Eine Gemälde-Scheibe. Huldigung der beiden

      Schützen-Könige um Mitternacht zu Cottbus.

      Oelgemälde.

24. Das Portrait des H. Gebhard nach der Natur

       Brustbild. Kreidezeichnung.

25. Die Wäscherinnen. Genre Stück. Oelgemälde.

26. Die Schlacht an der Katzbach. Oelgemälde.

27. Friedrich II zu Pferde. Oelgemälde.

28. Dito

29. 1 Ansicht von Cottbus gegen Mitternacht. Oelgemälde.

30. Das Schloß Fischbach in Schlesien. Oelgemälde.

31. Das Portrait eines Cottbusser Schützen halbe

       Figur nach der Natur in Kreide gezeichnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 68

 

Jahr 1838. Cottbus.                       

 

32. Das Portrait eines Schützen (Görlitzer.). halbe

       Figur, nach der Natur in Pastell.

33. Einen leidenden Christuskopf in Oel.

34   Dito.

35. Glaube, Liebe, Hoffnung. Oelgemälde.

36. Der Evangelist Johannes  Oelgemälde.

37. Ein Freiwilliger Jäger auf dem Schlachtfelde

      vor seinem sterbenden Bruder, schwört ihn

      zu rächen. Oelgemälde.

38. Herr und Madame Schütz im Dr. Faust. Oelgem.

 

Rest 33 Ansichten in Wasserfarben von Cottbus.

als.

3 Ansichten gegen Mittag.

1 Ansicht gegen Abend.

4 Ansichten gegen Mitternacht.

1 Ansicht vor dem Spremberger Thore

1 --------------------  Luckauer        ---------

2  --------------------  Sandower      --------- 

3 Ansichten von der Oberkirche nebst Umgebung.

6 Ansichten des Marktplatzes v. Bangens.

3 Ans. des Marktplatzes vom Rathhause.

3 Ans. des Marktpl. von der Oberkirche nach den Markt.

1 Ans. des Marktpl. am 900 jährigen Bürgerfeste.

2 Ans. von der Schloskirche.

2 Ans. des Land und Stadtgerichts.

 

 

 

 

 

Datei 69

 

Jahr 1838. Cottbus.                        

 

Diejenigen

die ich im Jahre 1838 im Zeichnen unter „

richtet habe.

 

1. Kittel aus Madlow              8. v Rauschendorf bei Spremberg.

2  Müller I                                9. Sommer.

3. Müller II                             10. Raimann aus Halbau.

4  Wolf aus Muskau.            11. Petzold aus Drebkau.

5  Vetter. II                             12. Bräunig aus Senftenberg.

6 Dahle. Kandidat d. Th.      13. Richter.

7. Vetter. I.                             14  Olschina.

 

 

15. Page

16. Mertschenk.

17  Schneider.

18. Schmidt. aus

19 v. Muschwitz.* und

20 Dorio Kittel.

 

Die letzten 13 sind dies Jahr hinzugekommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

* Eventuell ein v. Muschwitz von Leuthen

Theodor Anton Sigismund von Muschwitz, auf Wintdorf und Leuthen (*1825 +1917)

könnte als 13 järiger Zeichenunterricht genommen haben.

Sein Vater war Anton Wilhelm Sigismund von Muschwitz auf Wintdorf und Almosen       (*1789 +1850)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 70 bis 97

 

Datei 70

 

Jahr 1839. Cottbus                       

 

Den 1 sten Januar. war ich bei den Fabrick-Besitzer

Kittel in Madlow. wo ich den Tag recht heiter zu „

brachte. Abends fuhr ich nach Cottbus zurück, wo mich

meine neue Köchin schon erwartete. Selbige ist

diesmal von Forst.

Den 8 ten malte ich einen Johannes nach Domini

Mino. Oelgemälde.

Der 20 te. Jetzt habe ich ein großes Stück in

Arbeit. Nehmlich den Einzug der hohen Verbündeten

in Paris 1814. mit mehreren Hundert Figuren

Oelgemälde. Der Kaiser von Rusland Alexander

und Friedrich Wilhelm III ziehen in Begleitung

ihrer zahlreichen Suite, worin man den Für „

sten Constantin, den Fürsten Schwarzenberg

und mehrere andere große Männer erblückt

in Paris ein, die Garde Cosaken machen den

Vortrag  Eine unzählige Menge Zuschauer befinden

sich auf den Straßen, und eben so viele schau „

en aus den Fenstern, und wehen mit weißen

Tüchern. Preußische Garde Uhlanen stehen an

den Seiten, um das Gedränge abzuhalten, und hin

und wieder werden Kinder im Gedränge umge „

worfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 71

 

Jahr 1839. Cottbus.                       

 

Den 28 sten Januar. Meine Köchin habe ich schon

wieder gekündigt, denn sie paßt nicht recht in

meinen Dienst.

den 1 sten Februar. Heute die Nacht und den

Tag über war eine ungeheure Menge Schnee ein „

gefallen, und es kann so kommen, wie am ver „

gangenen Jahre, daß wir wieder großes Wasser

bekommen. Übrigens mit der Kälte können

wir bis jetzt noch zufrieden sein, aber einige

Wochen vor Weihnachten kam der Winter etwas

hart, ließ aber bald nach.

Nachricht von Frankfurt vom Oberlandesgerichte habe

ich auch erhalten, nemlich das die Acten und Bericht eingefordert

worden ist.

Den 10 ten Febr. malte ich die Morgen Andacht

Oelgemälde. Eine Bauernfrau knieet mit ihren

Säugling vor an der Brust, nebst ihrer ungefähr

8 jährigen Tochter vor dem Kreuze, um ihre

Andacht zu verrichten. Hinter ihr steht ein

andächtiger Bauer den Hut in den Händen

haltend, sein Gebet verrichtend. Die Gegend

ist felsigt wild romantisch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 72

 

Jahr 1839. Cottbus.                        

 

Weiber welche zum Räubern gehören, liegen

auf den Knien und bitten den Soldaten um

Schonu(n)g ihres Lebens, während sich die Räuber

aufs äußerste vertheidigen.

Den 8 ten malte ich Napoleon zu Pferde

Oelgemälde.

Den 10 ten März. Wir haben viel Schnee und

gefroren(e) Fenster.

Den 12 ten malte ich Friedrich II zu Pferde, Oelgemälde.

Den 16 ten kam der Herman Kittel aus Madlow

von mir weg. Es war zwar bestimmt, daß selbiger

erst den 1 sten April abziehen solle, aber ein

tüchtiger Diebstahl, welchen er verübte, bewerk „

stelligte dieses.

Den 18 ten malte ich das Portrait des jetzigen

Königs in Oel.

Den 20 sten malte ich das Portrait des Kaisers von

Rußland in Oel.

Den 27 sten malt ich das Stück. Räuber werden

von Päbstlichen Truppen angefallen. Oelgemälde.

Den 31 sten März. 1 ste Osterfeiertag. Die Witte „

rung war kalt.

Den 2 April 3te Osterfeiertag.  schrieb ich eine

Beschwerde wieder das Ober-Landes Gericht zu

Frankfurt a/O in der Prozeß - Sache  wider

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 73

 

Jahr 1839. Cottbus.                       

 

der Wilh. Petersdorf wider mich an den Justitz „

Minister Mühler nach Berlin. Da ich den

Betrug des Cottbusser Land und Stadt-Gerichts

nicht vergessen kann.

Den 5 ten April. Mein großes Dienstmädche(n) hatte

die Feiertage das Heimweh und Liebesgram

bekommen, und wünschte aus meinen Dienst ent „

lassen zu werden was ich auch bewilligte, unter

der Bedinung eine andere Person zu stellen,

wo sie dann den 1 sten Feiertag abreiste aber

keine von ihr bestellte Person trat den Dienst

an, daher mußte ich mir eine selbst miethen.

Diesmal habe ich wieder eine Köchin aus Cottbus

Spremberger Vorstadt erhalten.

den 6 ten malte ich das Portrait des Kaisers von

Rußland in Oel.

Den 7 ten kam meine große Köchin von Lübbenau

wieder an, und wollte den Dienst sogleich wieder

antreten, indem sie sich eines Bessern besonnen

hatte. Ich wieß ihr aber bald zurecht, denn wenn

man einen Die(n)st kündigt und verläßt, daß

man selbigen nicht wieder nach Gefallen antreten

kann. Sie mußte also wieder abziehen.

Die Winter - Abende habe ich mit unter recht

vergnügt zugebracht. Es wurde manchen Abend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 74

 

Jahr 1839. Cottbus.                       

 

ein Karten - Spielchen gemacht, und ein junger

Mann, unterhielt uns auch manchmal mit

Gitarren - Spiel und Gesang, und so verging

der Winter

Den 12 ten April. Meine jetzige Köchin scheint

so weit ein ordentliches Mädchen zu sein, nur

etwas habsüchtig, viel Lohn haben, und in der

Arbeit sich Zeit nehmen.

Den 15 ten malte ich das Portrait des Kaisers

Napoleon. Oelgemälde.

den 19 ten malte ich die Heimkehr aus der Fremde.

gengre Stück. Der Sohn vom Hause befindet

sich vor der Thür, und klopft, indem er seine

Wanderung beendigt, ist er wieder gesund und

wohl am väterlichen Hause angekommen.

Durch das Klopfen an der Thür ermuntert, öffnet

das 18 jährige Schwest(e)rchen das Fenster, um zu

sehen, wer da ist. Das Häuschen ist mit

einen fruchttragenden Weinstock versehen, und

im Hofe befinden sich allerlei Geräthschaften.

Den 22 ten malte ich die Kegelbahn. genre Stück in

Oel. Der Dorfschulze schieb mit seinen  (…)

Kegel, dieser Mann ist ganz dazu geschaffen

Scharfen Blick im Auge, Sperlingsbeine, gelenkige

Arme, sieben oder acht zu werfen ist ihm eine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 75

 

Jahr 1839. Cottbus.                       

 

Kleinigkeit, der Schmidt des Dorfes steht schon hinter

ihm in Bereitschaft mit der Kugel in der Hand,

und sieht zum Wirth, welcher sich an einer Tenne*

lehnt einen leeren Bierkrug in der Hand hällt,

und denket selbiger, an,  6 Stück muß er diesmal

wenigstens werfen. Der Schneider sitzt am Brette

und schaut, was wohl der Schulze schieben wird

um es mit Kreide gleich zu notiren. Ein vier

ter steht mit breit gesparten Beinen  und beobachtet

den Schulzen, um von sein Talent im Kegelschie „

ben zu lernen. ein fünfter hat es sich bequem

gemacht, sich seiner Jacke entledigt, und stopfet sich

eben sein Pfeifchen, auch erblickt  man im Hinter „

grunde einen, der mit dem Dienstmädchen ein

bischen liebelt, auf den Brettern der Kegelbahn

sieht sichs ein Junge gemächlich die Scene an.

Den 23 ten Ich erhielt einen Brief von Justitz – Mini „

ster Mühler.* aus Berlin. Ich müßte auch zu

gleich Beschwerde wider das Ober – Landesgericht zu

Frankfurth a/O führen, und das Rescript daher einsenden,

was auch geschah.

Den 24 ten April. Bettag. Es war Regenwetter.

Den 25 ten malte ich das Portrait des Prinzen

Wilhelm von Preussen. in Oel. Brustbild.

Den 28 sten sehr kalte Witterung haben wir jetzt,

und es will noch nichts grün werden.

 

 

 

*Befestigter Fußboden  auf dem in früheren Zeiten das Getreide nach der Ernte mit Dreschflegeln gedroschen wurde. Verm. an einer Wand zu einer Tennen Räumlichkeit.

 

*Heinrich Gottlob Mühler, ab 1833 von Mühler (* 23. Juni 1780 in Louisenhof bei Pleß, Schlesien; † 15. Januar 1857 in Berlin) war Jurist und königlich-preußischer Staats- und Justizminister sowie Kronsyndikus.

(Quelle : Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

Datei 76

 

Jahr. 1839. Cottbus.                       

 

Den 2 ten Mai. Heute haben wir schöne Früh „

lings Witterung.

Den 3 ten malte ich einen Christus mit dem Kelche

nach Carlo Dolce in Oel.

Den 8 malte ich eine Maria die Hände faltend

nach Sasso Ferratti.* in Oel.

Den 9. Himmelfahrt, war ich früh nach Branitz

gegangen wo Conzert war. Es befand sich auch

daselbst viel Gesellschaft.

Den 13 ten. malte ich ein Genre Stück. Des Rei „

senden Erquickung. Ein Reisender war beim

Wirthshause abgestiegen, sein Pferd einstwei „

len an den Bretter -  Zaun gebunden, eben

tritt die Wirthin mit einem lieblichen Kinde

auf dem Arm, zur Thür hinaus und überreicht

den Reisenden auf einen Teller das Früh „

stück. Der Haushund lagert sich auf dem

Wege, und spielt den Aufpasser. Oelgemälde.

Einen Brief erhielt ich abermals von dem

Ministerium aus Berlin, enthaltend. daß

meine Beschwerde dem Königl. Ober - Landes „

Gerichte zu Frankfurt a/O zur rechtlichen Ver „

fügung und Bescheidung  zugefertigt worden ist.

 

 

 

 

 

*Giovanni Battista Salvi, genannt Sassoferrato (* 1609  Sassoferrato;  +8. April 1685  Rom) war ein italienischer Maler des Barock und malte fast ausschließlich Madonnen.

Quelle : Wikipedia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 77

 

Jahr 1839. Cottbus.                       

 

Den 14 ten Mai. Jetzt haben wir sehr schöne fru(c)ht „

bare Witterung.

Jetzt habe ich mich schon wieder recht an das einsame

gewöhnt, Da der Hermann fort ist, kam es

mir wieder etwas sonderbar vor, doch bin

ich mancher Argerniß überhoben, welche mir

dieser wilde Bursche gemacht, an dessen  Er „

ziehung die Eltern wohl nicht viel Freude

erleben möchten. Die früheren jungen

Leute, welche meiner Leitung anvertraut,

sind bis jetzt sehr ordentliche Menschen ge „

worden.

Den 19 ten Mai 1 ster Pfingstfeiertag. Kühles Wetter.

Den 2 ten Feiertag. Nachmittag ging ich nach Branitz,

wo es sehr voll war.

Den 22  1 ster Schießtag. Das Schützen - Bataillon

war diesmal sehr schwach, besonders die Orange

Compagnie. Den Nachmittag mußte ich zu

Hause arbeiten, so auch den 2 ten Schießtag.

Den 3 ten Schießtag war das Bataillon wieder

vollzählig. Es wurde doch trotz den schlechten

Zeiten Rath geschaft. Übrigens war das

Vergnügen in diesem Jahre wirklich schön,

und mir hatte es besonders gut gefallen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 78

 

Jahr. 1839. Cottbus.                       

 

Nachträglich ist hierbei zu erinnern. Daß, da

vor einigen Jahren der König Friedrich

Wilhelm III v. Preussen zur Cottbusser Schützen „

gilde aufgenommen wurde. B bisher in

den Kompagnien geloost wurde welcher

Schütze für den König, und welcher  für den

Kronprinzen schießen soll. Dieses mal                       

hatte die Orange Compagnie die Ehre

für den König zu schießen, es wurde

daher entschieden, daß der bisherige Schützen „

könig ehemaliger Feldwebel bei der Oran „

gen Compagnie F. Hebicht für den König

Fr. W. III König v Pr. schießen solle   Dieser

Fr. Hebicht hatte daher das Glück, für Sr Maj.

dem Könige v Pr. König, zu werden.

Die Freude war groß. Das ganze Batail „

lon marschirte mit Fahnen und Musik im

Saal des Schießhauses, wo die feierliche Hul „

digung vorgenommen wurde. Auch wurde

der pp König Hebicht mit den ganzen Batail „

lon mit Fahnen und Musik nach Hause

geführt, und auch so den andern Tag wieder

abgehohlt. Den andern Tag ging so gleich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 79

 

Jahr 1839. Cottbus.                       

 

eine Stafette nach Berlin an den König den

darauf folgenden erfolgte der Bericht von

Seiten des Magistrats an eben denselben.

Der 3 te Schießtag wurde auch eine Ehren

Pyramide auf den Schießplatze zu Ehren des

Herrn Major Knobloch errichtet, und mit

passender Inschriften verziehrt, und des

Abends prächtig erleuchtet, umgeben mit

Bengalischer Flamme der vier Compagniefarben

Den Tag über wurden bei dieser Pyramide

immer 2 Posten abwechselnt unterhalten.

Den 25 ten Mai. Beim Zelte abbauen war ich

auch diesmal gegenwärtig, wo es beim Frühstück

welches gewöhnlich die Hauptleute geben, sehr

lustig herging.

Auch malte ich in diesen Monat ein Markt - Ansicht

aufgenommen in der Gegend v. Bangert.

Jetzt leben wir in einer Eisenbahnen - Zeit

Überall werden Eisenbahnen angelegt, und

Dampfwagen gebaut.

Auch Mäßigkeits - Vereine hat man jetzt,

und man hört desshalb viele witzige Anecktoten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 80

 

Jahr 1839. Cottbus                       

 

abzubringen, da sie auch in den Versammlungen

gehört, daß sie ihren gottlosen Eltern den Gehorsam

verweigern könnten. Auch in der Bürgerschule

wurden die gottlosen Kinder, von den bekehr „

ten Kindern von einen gewissen Lehrer getrennt.

Hierüber beschwerte sich die übrige Bürgerschaft

und die Regierung zu Frankfurt a/O untersagte

die Schwärmerei und Zusammenkünfte bei 50 rth.

Strafe.

Den 10 ten Juni malte ich die Heimkehr von Branitz

in Wasserfarben. Ein Herr und eine Dame

waren in Branitz gewesen und befinden sich auf

der Heimkehr  ein kleines Mädchen befindet sich

neben denselben, sie sehen vor sich das Schießhaus

und im Hintergrunde die Stadt Cottbus.

Den 16 ten malte ich das Portrait des Protocollführ(er)

During nach der Natur in Oel.

Den 20 sten Juni malte ich die Gemäldescheibe

des zweiten Schützen -  Königs. Die Schlacht bei

Belle Alliance abends 6 Uhr. Man erblickt

Napoleon düstern Angesichts auf seinen

Schimmel sich der größten Gefahr preis gebend

so wird von allen bei sich befinden Generälen

gewarnt, ein Adjutant stürzt an seiner

 

 

 

Anmerkung : Reihenfolge bzw. Anschluß beachten.

                        Es fehlen wahrscheinlich Seiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 81

 

Jahr 1841. Cottbus                       

 

In der Reihenfolge taucht hier das Jahr 1841 auf. Die darauf folgenden Seiten sind alle wieder chronologisch auf 1839 bezogen !

 

 

Den 30 ten März. Eine recht ängstliche Zeit ist jetzt

Es liegen jetzt eine Menge Menschen krank, theils

an den Pocken, theils an den Nervenfieber*

und sterben täglich mehrere, besonders in den

Vorstädten. In Sandow ist beinahe kein

Haus wo sich nicht ein Kranker befände, und

dadurch ist auch in manchen Familien

das größte Elend eingerissen, so befinden

sich in manchen 6 bis 8 Kranke Personen

und es ist kein Mensch da , sie abzuwarten.

auch in der Stadt ist es in vielen Häusern

so. Es haben sich daher Menschenfreunde

gefunden, welche Collecten gesammelt, oder die

Personen mit Geld und Speise versorgt

haben

Den 5 ten April. Conferenz der Schützengilde auf dem

Schießhause. Es wurde nehmlich hier folgendes

bekannt gemacht. Es soll nemlich in Frankfurt a/O

dieses Jahr ein großes Provinzial - Scheiben „

schießen stattfinden und die Cottbusser so wie

noch andere 30 Gülden eingeladen, daran

Theil zu nehmen. Eine ausführliche Beschrei „

bung war mit eingesendet, und dieselbe

 

 

 

 

*Typhus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 82

 

Jahr. 1839. Cottbus                       

 

Den 1 ten Juli. Mit meinen Zustande bin ich jetzt sehr

zufrieden. Ich lebe recht heiter und froh, und sonst

incommodirt* mich niemand. Arbeit giebt  es auch

genug.

Den 10 ten Jetzt habe ich die Scheibe des H. Hebicht

in Person Sr Maj. des Königs v Preußen Schützen „

König zu Cottbus in Arbeit. Dieselbe von mir entworfen

und ausgeführt. Dieselbe stellt vor.

Ein Triumpfbogen mit Korinthischer Säuler - Ordnung

auf Felsen ruhend von starken Eichen umgeben in

welchen 6 Felder befindlich, in den untersten werden

2 entstehende Regenbogen – als Zeichen des Ban „

des zwischen Gott, der das theure Fürstenleben

schuf und erhielt, und dann Wolken, zu dessen Seegen

es erhalten wurde. angebracht    An den obersten Rande dieser

Regenbogen erscheinen in jeden Felde Sterne, 43 an

der Zahl, in Beziehung auf die verflossenen Regie „

rungsjahre. Daß dieser Bogen noch nicht ergänzt

ist, erinnert an den Wunsch, für die längere

Lebensdauer des geliebten Königs, und in dessen

Feldern die Inschriften 43 Jahr Vater seines Volks

und rechts Gott erhalte uns ihn noch lange.

Auf den obern Felde links, erscheinen auf in der

Waage die steinernen Gesetztafeln – das Bild

der Gesetzgebung – im Gleichgewichte mit den

 

 

 

 

 inkommodieren :  stören, aufhalten, belästigen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 83

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

 

 

Schwerte der Themis,  wodurch die Vollziehung der Gesetze

angedeutet – Gerechtigkeit. Auf den andern Felde

rechts kommen in einer Schaale der Waage die „

selben Embleme wieder, in der andern aber der

Scepter statt des Schwertes, auf die Gnade hindeu „

tend. Die noch übrigen Felder zwei Felder

werden ausgefüllt durch Embleme, welche auf

die Weisheit, als das gleiche Verhältniß des

Erkennens und Handelns deuten, und durch

emblematische Schilderung der Festigkeit. Oben

auf dem Triumpbogen. kamen vier Götterbilder

zu stehen, nemlich Minerva, Mercur, Vulkan u.

Ceres, als die Symbole der Schutzgottheiten der

Wissenschaften, des Handels, der Gewerbe und des

Ackerbaues, zu dessen Füßen die Embleme derselben

symbolisch dargestellt. Hinter diesen Gottheiten

eine Säulen Pyramide. Über das Portal der

Namenszug des Königs mit der Inschrift. Den

König segne Gott. und über dieses das große

Preuß. Wappen aller Provinzen. Über das

Ganze erhebt sich schwebend und beschützend der

Preußische schwarze Adler, Eichen und Lorbeer

haltend. Unten am Fuße des Gebäudes eine

große Kriegs – Armatur nebst Lyra Globus

Bücher, Sense, Sichel Rächen, Maler Aparat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 84

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

Spinrocken*, und dgl. Kriegskunst, Ackerbau, Handel Gewerbe Künste

und Wissenschaften  darstellend angebracht, links

die Statue des Kaisers v Oestreich und rechts die

des Kaisers v. Russland als Bundesgenossen

Preußens, das Ganze steht in einer anmuthi „

gen Gegend, vom schönsten blauen Himmel

bewölbt, mit unten angegebener Inschrift

in goldene Buchstaben  Zum Andencken des

ersten Königs der Schützen Gilde in der Person

Sr. Maj. des Königs Friedrich Wilhelm III.

durch den Tuchmacher Meister Hebicht zu

Cottbus am 19 ten August. 1839. Eigene Composition.

Den 19 ten Juli zeichnete ich das Portrait des Herrn

Zesch aus Moskau, in schwarzer Kreide.

Den 2 ten August. malte ich eine kleine Gemälde „

Scheibe, Zwei Adler in den Wolken schwebend

tragen ein Band mit der Inschrift Eintracht.

und Liebe, und 2 Hände reichen sich versönend

Oelgemälde.

Den 3 ten August.* zum Königs Geburtstag Aus „

marsch der Schützengilde, und Vogelschießen.

Den 12 ten malte ich das Stück. Christus betend

auf dem Oelberge. Man erblickt Christus  kniehe(n)d

auf dem Berge, der Himmel thut sich auf und ein

Engel überreicht ihn den Leidenskelch . Oelgemälde.

 

 

 

*Der Rocken (Spinnrocken, Kunkel, Dieße) ist ein meist stabförmiges Gerät, an dem beim Spinnen die noch unversponnenen Fasern befestigt werden.

 

*Friedrich Wilhelm III. (* 3. August 1770 in Potsdam; † 7. Juni 1840 in Berlin) war seit 1797 König von Preußen und als Markgraf von Brandenburg zudem Kurfürst und Erzkämmerer des Heiligen Römischen Reiches bis zu dessen Auflösung im Jahre 1806. Er entstammte der Dynastie der Hohenzollern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 85

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

Den 15 ten August. Meine Scheiben finden diesmal

allgemeinen Beifall. und ich habe deshalb jetzt sehr

viel Besuch, besonders zieht Sachverständigen, die

Scheibe des Königs v Preußen an;

Den 19 ten und 20 ten. wurde das Gemälde Scheibenschießen

abgehalten.

Den 22 malte ich die Beichte des Räubers.  Es stellt vor

Auf einen Karren mit 2 Ochsen bespannt liegt der Räu „

berhauptmann gefesselt auf einer Strohmatte, und beichtet

einen  daneben sitzenden Geistlichen. Mehrere Geistliche

stehen daneben. links befindet sich ein Maulesel welcher

mit alle den Waffen beladen, welche in der Räuber „

höhle gefunden worden, wobei der Treiber und mehre „

re Zuschauer sich befinden, auch einige verwundete

französischen Soldaten zu Fuß und zu Pferde welche bei

Gefangennehmung der Räuber zugegen gewesen,

rechts knien eine Menge gefesselter Räuber, am

Erdboden, wobei man ein sehr schönes  Räubermädchen

erblickt, welche einen traurigen Blick auf den

beichte(n)ten Hauptmann wirft. Die ganze Rotte wird

von Französischen Fuß-Soldaten und Gendarmen eskor „

tirt. Die umgebende Gegend ist romantisch schön,

Man sieht im Vorgrunde wo sich diese Scene begiebt

ein Kloster, im Mittelgrunde Felsen mit Ruinen

Städte und die Raubburg der Räuber, ganz im

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 86

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

 

Hintergrunde entfernte Gebirge, das Ganze wird von

einem herrlichen Lichte beleuchtet welches die verschie „

denen Waldungen imposant darstellt. Oelgemälde.

Den 25 ten August. Mein Geburtstag. Schrieb ich eine

nochmalige Beschwerde an den Herrn Justitz Minister

Mühler nach Berlin wegen meiner Prozeßsache, in

dem ich meine bishergehabten Kosten zurückhaben

wollte.

Den 30 ten malte ich die Zehnten Einlieferung an

die Bolten Abtey*. Oelgemälde. Es stellt das Innere

eines Klosters dar, ein Knabe und ein Mädchen

bringen, die dem Kloster gehörigen Abgaben

welche in Fische, und allerlei Geflügel bestehen

vor sich liegend, mustert der Prior des Klosters

dieselben, und sieht die Richtigkeit derselben auf

der Liste nach, indem ein andrer Mönch, ihn

hierbei  bei Sei  hülfreiche Hand leistet, der Klo „

sterknecht ist auch so (…) mit Wegschaffung ein(e)s

Hirsches beschäftigt, hinter diesen tritt ein Mönch

mit Weinflaschen herbei um die Überbringer

etwas zu erquicken.

 

 

 

 

 

 

*Zehnten-Einlieferung an die Bolton-Abtey

Stahlstich von F. Randel (tätig um 1848), wohl nach einer Vorlage von Edwin Henry Landseer (1802 - 1873)

Das Bild zeigt die Ablieferung von Wild, Vögeln und Fischen an die in Yorkshire (England) gelegene, im 16. Jh. aufgelöste Bolton Abbey. Auch in England wurden seit dem Mittelalter Zehntabgaben verschiedenster Art gefordert. Sie wurden 1836 durch eine einheitliche Abgabe abgelöst, die vom jeweiligen Kornpreis abhing. Diese tithe rent charge wurde 1936 abgeschafft.

 

 

 

 

Datei 87

 

Jahr 1839 Cottbus.

 

 

 

den 26 ten Sept. malte ich die Heimkehr aus der Fremde.

in Oel.

Den 1 ten October. bekam ich wieder eine andere Köchin

welche aber schon etwas bei Jahren ist, und ich verspreche

mir von selbige mehr wie von den bisherigen jungen

Mädchen, nur sieht mir selbige aus als wenn sie schon

sehr gelebt, und des Guten viel genossen hätte.

Den 6 ten. Sehr warme Witterung haben wir jetzt.

Den 11 ten hatten wir einen herlich warmen Tag, ich

machte mir das Vergnügen und ging mit zweien

jungen Menschen Nachmittags nach Peitz, wo gefischt

wurde, und holte mir ein Gerichtchen Fische,

Den 15 ten malte ich das Stück. Ein Grieche mit

beiden Sclaven. Der Grieche liebkost das eine Mädchen

welche halb nackend bei ihm auf seidene Kissen sitzt

indem er ihr an den soliden Theil greift, das andere

Mädchen sitzt ihm zu Füßen, und schaut dieser Scene

zu, reich mit Gold besetzte Vorhänge umgeben

das Ganze. Oelgemälde.

Den 20 ten. Jetzt haben wir etwas strenge Kälte

bekommen, das wir (des) Morgens gefrorne Fenster

haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 88

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

 

Den 28 ten October. Jetzt werden große Vorbereitungen

zu den kommenden Feste gemacht. Wir haben jetzt einen

wichtigen Zeit – Abschnitt, die dritte Säkularfeier

der Einführung der Reformation in den Marken.

Der 1 te November, als derjenige Tag an welchen der

Kürfürst Joachim II vor 300 Jahren, also im Jahr

1539, das Abendmal zum erstenmal nach evange „

lischen Ritus in der Kirche zu Spandau empfangen

ist der Tag der Feier für die Marken. In Cottbus

hätte dieses Fest schon sollen 2 Jahre früher gefeiert

werden, da die Reformation schon 1537 eingeführt

wurde.

Der 1 te November. Freitag. Den Tag vorher wurde

das Fest mit allen Glocken eingeläutet. Vormittag

um halb 9 Uhr versammelte sich die Stadtgemeinde

nebst den H. Oberbürgermeister Magistratspersonen

Stadtverordn(e)ten der Geistlichkeit, und der ganzen

Schuljugend mit ihren Lehrern auf dem Markt „

platze, Hier wurde mit Begleitung  der Posaunen

ein Lied angestimmt, dann zogen die Bürger „

schaft und Schuljugend unter Glockengeläute zur

Kirche, welche heute besonders festlich geschmückt

mit Kränzen, und Guirlanden. In der Kirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 89

 

Jahr 1839. Cottbus

 

 

besonders von den Frauen und Mädchen, wo sich manche

andre dran stoßen würden. Es wurde also be „

schlossen worden, daß ein jeder Schütze an der

Tafel der Offiziere Antheil nehmen könne, aber

für seine Speisen und Getränke selbst besorgen

müsse, da nun dieselben sehr hoch gestellt waren,

so konnten nur sehr wenige daran Theil nehmen,

nur Honoratioren machten hiervon eine Ausnahme,

selbige konnten Schützen sein oder nicht. Alle

unverheirathete Schützen konnten des Abends zum

Ball kommen, hieß es, aber es wurde ein Cirku „

leur*, bei denen Schützen gesendet, welche man dazu

wünschte, um nur anständige Leute hinzuzuziehen.

Es war dieser Abend so weit recht voll, Schützen

waren grade im Verhältnisse zu den Baittallon

nicht zu viel, wir waren alle recht heiter, und

ich hielt mich diesmal bis zum Schlusse des Ver „

gnügens auf.

Den 4 ten December. erhielt ich eine Vorladung vom

hiesigen König. Land und  Stadtgerichte, in welcher

ich ersahe, daß ich vom Magistrate wegen meiner

Beschwerde bei über die Polizei verklagt worden bin,

und der Termin auf den 13. d. M. gesetzt war.

 

 

 

 

*Circular : Rundschreiben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 90

 

Jahr 1839. Cottbus

 

 

 

Den 7 ten December. Ich male jetzt das Edelfräulein

halbe Figur in Oel. Dasselbe steht unter einer Säulen „

halle, mit Weinranken umgeben, einen Falken in

der Hand haltend, im Hintergrunde anmuthige

Gebirgsgegend.

Den 12 ten. Mit meiner Köchin bin ich jetzt recht zufrie „

den. Ein junges hübsches Mädchen, welche mir mit ihrer

Gutwilligkeit, und ordentlichen Fleiß, hübsches Betragen

viel Freude macht.

Den 13 ten hatte ich in der Magistratssache den

ersten Termin welcher viell in welchen ich erfuhr

daß der Prozeß für mich nicht so günstig ablaufen

werde, und ich mich in Güte mit den Magistrat ver „

einigen möchte, die Sache solle 14 Tage bei Seite

gelegt werden, und ich deshalb mein möglichstes thun

solle, es wurden mir auch auf dem Landgerichte

von den Richtern mehrere gute Rathschläge gegeben,

wie die Sache am besten abzumachen gingen.

Einige Tage vor den Termin war ich auch bei den

Herrn Oberbürgermeist(e)r. Römelt, und setzte ihn die

Sache auseinander, wo er sehr verwundert war, und

die Sache gar nicht recht glauben wollte, daß die

Polizei so saumselig wäre, und sich so vieler Sachen

zu schulden kommen ließe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 91

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

 

 

Den 14 ten December. Wir haben jetzt strenge Kälte.

Den 16 ten malte ich die Beichte des Räubers  Oelgemälde.

Nähere Beschreibung weiter oben.

Den 17 ten Jetzt haben wir wieder Thauwetter.

den 18. malte ich den Briefwechsel. Oelgemälde.

Eine alte Mutter sitzt mit ihrer Tochter beide

mit Nähen weiblicher Arbeiten beschäftigt, auf den

Mark(t)platz an ihrer Bude, worin sie verschiedene

Hausgeräthe feil haben, die Alte sitzt in einen

Kasten, welcher oben bedeckt, um vor Sonne

und Regen geschützt zu sein, hinter diesen schleicht

sich der Liebhaber des Mädchen heran, welcher der „

selben einen Brief leise zusteckt, und das Mäd „

chen behutsam darnach greift.

Den 20 sten.  Jetzt, da im vorigen Jahre, das Holz

so  rar war, und zu manchen Zeiten  gar keins

zu haben war, ist hier die Torfbrennerei ein „

geführt wurden, und für sehr vortheilhaft befunden

worden.

Die Abende bringe ich meistentheils jetzt seit dem

Tode des Secretair Petzold allein zu, da sich noch

keine Spiel – Gesellschaft wieder finden will.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 92

 

Jahr. 1839. Cottbus.

 

Den 21. December. Dieser Tage hatte ich auch Termin

auf den Rathhause wegen der fiscalichen Prozeß „

Sache. Der Magistrat gegen mich. Ich sagte dabei

alles das aus, was ich dabei sich die Polizei gegen

mir schon hat zu Schulden kommen lassen, und das

sie die Gesetzte sehr oft übertreten, was dann

auch alles zu Protocoll genommen wurde.

Der 24 te heiliger Christ - Abend. Wir putzen heute

den Christbaum an, da meine Köchin(e) gerne

einen wünschte, so ließ ich einen besorgen wo

ich so rechte hübsche Rückerinnerungen hatte, und

wir mit den Actuarius Bollei hübschen Spaß

dabei hatte.

Den 26 ten Decemb(e)r.  2 te Feiertag. Die Feiertage

brachte ich meistentheils zu Hause zu, wo ich

viel Besuch hatte.

Den 31 ten Sylvesterabend. war ich auf den Schieß „

hause wo Tanz war, aber wenig Gesellschaft war

vorhanden. Da jetzt zwei Musick Director hier

anwesend, und recht sehr viel Musick ist, so

theilt es sich sehr ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 93

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

Bemerkungen über dieses Jahr.

Mit diesen nun verflossenen Jahre kann ich übrigens

sehr zufrieden sein. Ich hatte viel Arbeit und

so weit recht guten Verdienst. Auch meine Zeichen „

Schüler hatten sich wieder recht vermehrt;  und

die letzte Zeit eine hübsche vernünftige Köchin

welche mich immer sehr aufheiterte, da ich auch

beständig bei guter Laune war. Nur ärgerlich

war mir der Prozes mit den Magistrate, indeß

wurde nicht viel draus gemacht, ich habe viel

Erfahrungen dabei gemacht, daß die Behörden in

preußischen machen können was sie wollen

des Königs Gesetze befolgen, oder nicht, bleibt

sich gleich, nur darf aber ein Bürger nichts sagen „

und man muß noch zufrieden sein, wenn man

nakend zum Thor hinauskommt.

 

Gemälde, welche ich im Jahr 1839.

angefertigt habe.

 

1, Der Evangelist Johannes nach Domini Mino in Oel.

2, Der Einzug der Verbündeten in Paris im

     Jahr 1814. in Oel.

3, Die Morgen Andacht in Oel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 94

 

Jahr 1839. Cottbus.

 

 

4,   das Portrait des Palmié. König. Consistorial –

       Rath, Prediger, Professor und Director des

       franz. Gymnasiums  Brustbild in Oel.

5,    Das Portrait Otto v Schmidt. König. Preuß.

       General Lieutenant der Artillerie  Brust „

       bild in Oel.

6,    Die Morgen Andacht in Oel.

7,    Räuber werden von Päbstlichen Truppen an „

       gefallen. in Oel.

8,    Napoleon zu Pferde. Oelgemälde.

9,    Friedrich II. zu Pferde. Oelgemälde.

10,  Das Portrait des jetzigen Königs v Preußen

        Brustbild in Oel.

11,  Das Portrait des Kaisers von Rußland

        Brustbild in Oel.

12,  Räuber werden von Päbstlichen Truppen

       angefallen. in Oel.

13,  Das Portrait des Kaisers von Rußland

       Brustbild  in Oel.

14,  Das Portrait des Kaisers Napoleon Brust „

        bild in Oel.

15,  Die Kegelbahn genre Stück. in Oel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 95

 

Jahr  1839. Cottbus.

 

16,  Die Heimkehr aus der Fremde genre Stück in Oel

17,  Das Portrait des Prinzen Wilhelm v Preußen

        Brustbild in Oel.

18,  Christus mit den Kelche nach Carlo Dolce in Oel.

19,  Maria nach Sassoferratti in Oel.

20,  Des reisenden Erquikkung gengre Stück in Oel.

21,  Rüdesheim am Rhein in Oel.

22,  Die Heimkehr von Branitz in Wasserfarben.

23,  Das Portrait des Protocollführer During nach der

        Natur  Brustbild in Oel.

24,  Eine Gemälde – Scheibe, Napoleon zu Ausgange

        der Schlacht bei Belle Alliance. in Oel.

25,  Das Portrait des Leutnant  Zesch aus Moskau in

        Rußland. Brustbild in Kreide Zeichnung.

26,  Eine Gemälde Scheibe. Allegorie auf Sr. Ma „

        jestät dem Könige  Friedrich Wilhelm III

        von Preussen. Eigene Composition in Oel.

27,  Christus betend auf den Oelberge in Oel.

28,  Eine kleine Gemälde – Scheibe. Zwei Adler in

        Wolken schwebend ein Band haltend mit der

        Inschrift Eintracht und Liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 96

 

Jahr  1839. Cottbus.

 

 

29,  Die Beichte des Räubers. Oelgemälde.

30,  Die Zehnten Einlieferung an die Bolton

        Abtey. Oelgemälde.

31,  Das Portrait des H. Siebert nach der Natur

        Brustbild in Oel.

32,  Die Heimkehr aus der Fremde  genre Stück

        in Oel.

33,  Der Grieche mit seinen beiden Sclavinnen

        Oelgemälde.

34,  Der Abschied des Rekruten von seiner

       Geliebten  genre Stück in Oel.

35,  Der Prinz Adelbert v Preussen  Brust „

       bild in Oel.

36,  Der Großfürst Michael von Russland

       Brustbild in Oel.

37,  Das Edelfräulein  halbe Figur in Oel.

38, Die Beichte des Räubers in Oel.

39,  Der Briefwechsel. Oelgemälde.

 

Nebst mehreren Ansichten von Cottbus

in Wasserfarben.

Deren Anzahl diesmal 21 war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datei 97

 

Jahr  1839. Cottbus.

 

 

Diejenigen

die ich im Jahr 1839 im Zeichnen

unterrichtet habe.

 

1,  Müller  I.    Stubenmaler.              7,    Richter I.

2,  Müller II.                                      8,    Olschina.

3,  Vetter                                               9,    Schneider I.

4,  Dahle Kandidat d. Theologie        10,  Page.

5,  Sommer                                           11,  Mertschenk.

6,  Raimann aus Halbau.                  12,  Schmidt.

 

1839 wovon hinzugekommen.

 

13,  Gebhard                                     24,  Geissell aus Bilow* b Sprem(berg)

14,  v Greifenberg v Forst.                 25,  Könicke.

15,  Jonas aus Berlin.                          26,  Wuslauk.

16,  Bohnstädt.                                    27,  Flemming.

17,  Richter II                                        28,  Ritscher.

18,  Feldner.                                         29,  Schulze.

19,  Groch.                                            30,  Paulick

20,  Klara Vogelsang b. Krossen.       31,  Schwanhäuser.

21,  Thiemer aus Dresden.                 32,  Müller.

22,  Lauk.                                               33,  Kittel

23,  Schneider II.                                  34,  Lortzing.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 1840

 

Datei 098 bis 125

 

Transkription Udo Bauer (April 2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 

Jahr 1840. Cottbus.

 

Den 1 ten Januar. brachte ich zu Hause zu, gegen Abend

ging ich aufs Schießhaus,

Den 5 ten  Jetzt gebe ich sehr vielen jungen

Leuten Unterricht in den Ausmalen der

Lithographieen mit Oelfarben, welches jetzt sehr

allgemein wird. (Lithogrumiren.)

Den 10 ten malte ich ein Stück, den Maskenball

darstellend. Eine Maske ist mit mit einer Dame „

in ein Nebenzimmer und pflegen ihr Vergnü „

gen, im Hintergrunde sieht man sich die Mas „

ken im Saale  sich belustigen. Oelgemälde.

Den 16 ten Sehr warme Witterung haben wir

jetzt, indem man bei offenen Fenstern

arbeiten kann.

Den 20 ten hatte ich wieder Termin auf den

Land und Stadtgerichte in der Prozeß-Sache

Magistrat wider mich. Es wurde mir nehm „

lich eröffnet, das der Magistrat die Klage

zurückgenommen, wenn ich die Termin „

Kosten bezahlen wolle, was ich auch an „

nahm. Er muß doch nicht ganz fest stehen „

wegen der Ubertretung der Gesetze.

 

 

2 

Jahr 1840. Cottbus.

 

Den 2 ten Febr. malte ich das Portrait der Madam

Zeidler. halbe Figur nebst Gegend nach der Natur

in Oel.

den 10 ten Immer haben wir noch sehr schöne

warme Witterung.

Den 12 ten malte ich das Portrait des Baittailons „

Tambour Becker vom 2 ten Garde Landwehr

Regiment (Cottbusser) ganze Figur im Hinter „

grunde eine Ansicht von Cottbus nach der Natur

in Oel.

Den 15 ten malte ich eine Scene auf dem Masken „

balle. Ein Ritter befindet sich im Nebensaale

mit einer Dame, umarmend hebt er ihr die

Kleider auf und fingerirt ihr unter denselben

Oelgemälde.

Den 18. malte ich das Portrait des Tischlermstr.

Voigt. Brustbild in Oel.

Den 24. Mit meiner Köchin bin ich diesmal sehr

zufrieden, und lebe seit dem mal wieder recht

froh, an Geld und Arbeit fehlt es mir jetzt auch

weiter nicht, obgleich  der Geldmangel in Cottbus

jetzt sehr allgemein ist, und manchee Familie

zu Grunde geht

 

 

 

3 

Jahr 1840. Cottbus.

Den 3 ten März Fastnacht. Diese Woche giebt es viel

Conzerte und Tanz-Vergnügen.

Den 10 ten malte ich das Stück. Der Kriege(r) mit

seinem Kinde. Ein alter bärtiger Soldat in der

Waffen-Rüstung hat sein Kind auf den Arm

einen lieblichen Knaben, und erzählt selbigen

vom Kriegerleben. Oelgemälde.

Den 16 ten Jetzt erteile ich auch der Frau Ober „

amtman Hubert* Unterricht in Oelmalen, welches eine

recht angenehme junge Frau ist, und sehr verschie „

den von den übrigen Honorationen in Cottbus

ist, selbige ist sehr gebildet, und nimmt Lehre

an

Den 20. Frühlings-Anfang hatten wir wieder

Winter, gefroren Fenster, und viel Schnee.

Jetzt habe ich ungemein viel zu thun, auch der

Buchhändler Meier, der früher immer viel

Berliner Gemälde anschafte, ist dahinter ge „

kommen, das die Meinige doch besser gear „

beitet sind, als diese, und daher auch von ihm

viel Beschäftigung erhalten.

Diesen Monat malte ich folgende Ansichten von

Cottbus. Den Markplatz. 1 Ansicht gegen Mitternacht

und 1 Ansicht vor dem Spremberger Thore in

Wasserfarben.

 

 

 

*Luise Hubert, geb. Daubert, Tochter des Steuerrat Luis Daubert und seiner Frau Minna, geb. Villaret. Ihr Ehemann war der Amtsrat Julius Hubert. (oo am 01.04.1839)

* in Quedlinburg (1919)

+ 09.12.1896 Brunschwig mit 77 Jahren.

Zum Zeitpunkt des Unterrichts war sie 21 Jahre alt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 

Jahr 1840. Cottbus

 

Den 13 ten März. Als wahrhaft werden jetzt mehrere

Spuckgeschichten bekundet und von mehreren Augen „

zeugen versichert, daß es seine Richtigkeit habe.

In Vetschau soll ein Mädchen eine Geister „

Erscheinung gehabt haben;  Der Geist habe sie nehmlich

aufgefordert, eine verwünschte Person im Keller

des Hauses wo sie wohnhaft war, zu erlösen, sie

solle nemlich eine oder mehrere Geister, welche

sich im Keller befinden, die Köpfe abschlagen,

Bei diesen Unternehmen, welches sie ausführen

wollte, wurde sie durch ihren Bruder verhindert

und alles verschwand so nach. In diesen Keller

sollen zur Zeit des Wenden-Königs mehrere

Mordthaten vorgefallen sein, und daher diese

Verbannungen. Den Tag nach der mißglückten

Unternehmung erschien den Mädchen der Geist

abermal, mit der Bitte;  da jetzt einmal alles

verlohren wäre, so solle sie doch an einem

an einem von ihm bezeichneten Orte eine

junge Linde pflanzen, diese würde nach Aussage

des Geistes wachsen, mit der Zeit zu einem

Baume werden, und aus dessen Holze eine

Wiege gebaut werden, und das Kind, daß diese

Wiege brauchen würde, könnte die Erlösung

5 

Jahr 1840. Cottbus

des verbannten Geistes im Keller zu Stande

bringen, nach dem der Geist dieses ausgesagt ver „

schwand selbiger, und alles im Zimmer wurde

stark mit Asche bestreut, welches viele Ein „

wohner in Vetschau gesehen haben. Das Mäd „

chen sollte, wenn ihr die Ausführung gelingen

die glücklichste Person in der Welt werden, im

Gegentheil aber die Unglücklichste, welche sie

jetzt ist. Die Geistlichkeit und Magistrats Person(en)

haben sich von der Richtigkeit dieser Sache

überzeugt. Und die Linde ist jetzt auch schon

gesetzt.

In Berlin soll sich die weisse Dame  in

der Rüstkammer zeigen./soll sich allemal

sehen lassen wenn sich ein merkwürdiger

Todesfall bei der Königl. Familie ereignet

soll./ Der König ist jetzt auch sehr krank.

Ferner erzählt man von Berlin. Ein kleines

graues Mänchen hat den Nachtwächter auf „

gefordert in der Nacht nicht 12 Uhr, sondern

13 abzurufen, da dieses der Nachtwächter ver „

weigerte, und sich darauf berief die Erlaub „

niß der Polizei nachzusuchen, so gestattete

dieses der Geist. Der Nachtwächter meldete

dieses den andern Tag die Polizei, und erhielt

6 

Jahr 1840. Cottbus

 

die Erlaubniß, 13 abzurufen. Nachdem die

folgende Nacht, das Mänchen wieder erschienen „

der Nachwächter die erhaltene Weisung zu

Folge  13 abrief, führte das Mänchen  den

Nachwächter an einen Ort, nicht weit von

Königl. Schlosse, hier wurde eine Grube eröffnet

der Nachwächter mußte  hineingreifen, und zog

drei Aehren heraus, dieses erklärte das

Mänchen  für drei segenreiche Jahre, eine

zweite Grube wurde eröffnet, und der Nacht „

wächter zog drei blutige Läppchen heraus.

Andeutet drei blutige Jahre, eine dritte

Grube gab Goldstücke her, nach der Erklärung

des Geistes, die goldne Zeit, dar nach verschwand

das graue Mänchen.

Den 2 ten April.  jetzt haben wir schöne Frühlings „

Witterung.

Den 16 ten malte ich das Portrait des Nadler  H. Wolff.

Brustbild in Oel.

Den 17. das Portrait seiner Frau halbe Figur

in Oel.

Den 19 ten 1 ster Osterfeiertag machte ich Nachmittag

einen Spaziergang nach Branitz.

Den 24 ten malte ich das Portrait des H. Kaiser

7 

Jahr 1840. Cottbus

in der Uniform des Leib-Regiments (8 Regiment

Gubener) halbe Figur, in Hintergrunde eine An „

sicht von Guben. in Oel

Den 30 ten malte ich die Kegelbahn. Genre Stück.

Eine Gesellschaft vergnügt sich in einer romantisch

schönen Gegend an Kegelschieben; Ein Herr

ist eben in Begriff eine Kugel hinauszuschie „

ben, aber der Kegeljunge draußen ist noch nicht

fertig mit den aufsetzen; indessen andere

ihn mit einen Kennerblick beobachten, seine

schon angenommene Stellung mustern, und er „

wartungsvoll dastehn, was er wohl schieben

wird, der Rechnungsführer mit der Brille

auf der Nase, und der  Kreide in der Hand

wartet eben auch auf Arbeit; indessen sich zwei

niedliche Jungen mit der retur kommenden

Kugel beschäftigen, Die übrige Gesellschaft

ist  einstweilen in tiefer Unterhaltung begriffen ,

besonders muß ein Dragoner Officier einen andern

Herrn etwas sehr wichtiges zu construiren

haben, auch kann ein anderer Herr wegen

der Zeche mit den Schankmädchen  nicht recht

fertig werden, und zählt selbiges alles an den

Fingern her was er verzehrt hat um es den „

selben begrifflicher zu machen auch scheint

8 

Jahr 1840. Cottbus

 

es ein sehr warmer Tag zu sein, denn die Hälfte

der Gesellschaft hat es sich bequem gemacht, und die

beschwerlichen Röcke abgelegt. Oelgemälde.

Den 2 ten Mai malte ich Christuse  als Hirten

Oelgemälde.

Den 7 ten malte ich die Königin des Himmels mit

dem Christuskinde als Gegenstück zu Christuse.

Oelgemälde.

Den 16 ten malte ich das Portrait des Fürsten

Blücher v Wahlstadt. Oelgemälde.

Den 28 Mai Himmelfahrt hatte ich mir vorge –

nommen früh nach Branitz zu gehen , aber

es war trübes und rauhes Wetter, und

so unterblieb es.

Unser König Fr.W. III. soll sehr krank sein

Den 31 ten Mai, spaziert ich nach Merzdorf, da

Sontag hier immer viel Gesch Gesellschaft ist, so

machte ich mir auf einen Spaziergang, mir gefiel es

hier so weit recht gut, auch lernte ich hier einen

ehemaligen Schulcamrad kennen, welcher sich sogleich

nach meiner jetzigen Lage erkundigte und mich

ein reiches Mädchen aus Gr. Liesko zu recomman „

dirte, welches auch dort anwesend, und ich

nun auch kennen lernte.

9 

Jahr 1840. Cottbus.

 

Dieser Tage machte mich auch ein guter Freund

auf ein Mädchen in der Gegend von Sorau

aufmerksam, diese nach mehreren Erkundigungen

hält sich jetzt in Gr Briesen bei den H.

Baron von Wackerbad* auf, daher entschloß

ich mich, nächstens  diese Person näher kennen

zu lernen

Den 7 ten Juni. 1 ster Pfingstfeiertag machte ich  ei „

nen Spaziergang nach Briesen. Dort angelangt

verfügte ich mich sogleich in den Herschl. Garten, welchen

ich schon früher auf meinen Spaziergängen häufig

besucht hatte. Hier traf ich den Baron mit seiner

Tochter in einer Laube sitzend. Nachdem ich um

förmliche Erlaubniß angehalten hatte, mir den

Garten anzusehen, entspann sich dieserhalb  mit

mir und den H. Baron ein Gespräch, worin

ich sah, daß dieser Mann sehr gütig und herab „

lassend war. Ich besah mir nun den Garten

fragte den Gärtner, und die Bedienten nach

allen, versäumte aber den Hauptzweck da „

bei nicht, bis endlich ein junges hübsches Mädchen

über den Hof ging, in dieser zeigte man

mir die von mir erwähnte Person, ich

trat zu ihr begehrte ein Glas Milch von

Adolf Leberecht von Bomsdorff aus dem Hause Weißagk (1781–1862), Herr auf Ober- und Mittel-Linderode, Tielitz, Briesen und Guhrow, wurde 1811 von seiner Tante Helene Freifrau von Wackerbarth, geborenen von Bomsdorff, und deren Gemahl, Ludwig Freiherrn von Wackerbarth auf Briesen und Guhrow, adoptiert und vom sächsischen König Friedrich August I. zum Freiherrn von Wackerbarth genannt von Bomsdorff erhoben. Der Ast dieses Namens besteht bis heute in den Zweigen Linderode und Briesen/Rethmar.

Dessen Sohn :

*Otto Julius Freiherr von Wackerbarth genannt von Bomsdorff (* 10. März 1823 

+ 17. Mai 1904 in Briesen) war Rittergutsbesitzer und Mitglied des deutschen Reichstags.

Quelle : Wikipedia und Götz Freiher von Houwald, Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer.

Band VII (2001)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11 

Jahr 1840. Cottbus.

 

ihr, welches ich auch auf einen weissen Teller

erhielt, ich suchte nun Gelegenheit, einige Worte

mit ihr zu sprechen, aber sie hatte viele Geschäfte.

Ich trank daher meine Milch, ging noch ein wenig

in Garten spaziren, ging dann nach dem Schlosse,

um zu fragen, was ich schuldig wäre. In einer

Kellerstube, war sie, aber die gnädige Frau, und

das Fräulein auch bei ihr, sie sprachen ein Langes

und Breites vom Putz. Ich wartete indeß eine

geraume Zeit, endlich des Wartens überdrüssig, trat

ich hervor, und fragte bescheiden, was ich schuldig wäre.

Die Herrschaft schien verlegen und sagte ich wäre

nichts schuldig, und nun entspann sich ein langes

Gespräch über Malerei, und besonders über meine

Person, hernach führte mich die Baronin in

ihre Zimmer zeigte mir da mehrere Gemälde

welche ich beurtheilen sollte, und nach diesen

verließ ich das Schloß, und kehrte wieder

nach Cottbus zurück.

Den 8 ten Juni, war hier eine große Aufregung

wegen unsicheren Nachrichten vom Tode

des Königs, einige wollten genaue Nachrichten

von Berlin erhalten haben, das der König gestorben

sei, andere versicherten das Gegentheil.

12 

Jahr 1840. Cottbus.

 

Den 9 ten Juni. Abend – 6 Uhr kam die Post von

Berlin, und mit ihr die Zeitungs-Nachricht, daß

Sr. Maj. unser vielgeliebter König Fried. Wilhelm III

den 7 ten Juni Nachmittag um 3½ Uhr an den

Folgen der Grippe verstorben sei.

Sogleich gebot die Polizei Tanz und Vergnügen

einzustellen. Die Stadtverord(n)eten wurden

aufs Rathhaus berufen, und berathschlagt

wie es mit den Morgenden Pfingstschießen

soll gehalten werden, da wenn es nicht ab „

gehalten, mehrere Leute großen Schaden haben

besonders der Schießhauswirth, da dieser

viel Speise und Getränke angeschaft hat.

Der Magistrat sendete den andern Tag gedruckte

Zettel in jeden Hause, worauf angegeben

war, daß da der traurige Vorfall sich

ereignet, der Magistrat das Vertrauen faßte

daß sich ein jeder der lermenden Vergnügens sich enthalten

würde, jedoch Essen und Trinken sei auf den

Schießhause erlaubt.

Den 10 ten  1 ter Schießtag war also kein Ausmarsch,

den das König oder Pfingstschießen ist bis nach

der Trauer aufgeschoben worden, man ging

also blos hin, um ein Glas Bier zu trinken

13 

Jahr 1840. Cottbus.

 

An Gesellschaft fehlte es dennoch nicht, es wurde sogar

recht voll und es wurde daher tüchtig gegessen

und getrunken, vielen trieb so gar die

Neuegirde hin, um zu sehen wie es da aussieht.

Auch wurde tüchtig gewürfelt, die Zelter waren

wieder abgerissen worden.

So war es auch den 2 ten und 3 ten Schießtag.

Den 13 ten Juni wurde die allgemeine Landes „

Trauer angekündigt, und zum 1 ten mal

Mittag von 12 bis 1 Uhr mit allen Glocken

geläutet, welches Ceremonie täglich bis zur

Ende der Trauer fortgehalten werden soll.

Der König hat h auf seinen Sterbebette dieaus

befohlen, das die Trauer so kurz wie möglich

abgehalten werden soll, damit seine Unth

Unterthanen dabei nicht zu Schaden kämen

Den 15 ten malte ich eine Scene aus Dr. Faust.

Faust umarmt ein Mädchen , welche ausruft

Bester Mann, ich liebe dich von Herzen

Mephistophiles guckt boshaft aus einen Fenster „

des Hintergrundes hervor.

 

 

 

14 

Jahr 1840. Cottbus.

 

Den 15 ten Juli. malte ich die drei Freunde,

Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Knabe spielen

in einer anmuthigen Gegend mit einem Hunde

in Oel.

Den 16 ten malte ich Napoleon in Lebensgröße

ganze Figur in Oel. zum Pfingstsch oder Königs „

schießen bestimmt.

Den 20 ten wurde das Pfingst oder Königsschießen

mit Ausmarsch abgehalten.

Den 22 ten  3 ter Schießtag, wurde ein Biewaack

errichtet, und die Strohhütten nachher angezün „

det, was viel Vergnügen gewährte.

Den 27. wurde die Grenzfahrt abgehalten

konnte aber wegen Mangel an Zeit

nicht Antheil nehmen.

Den 28 ten malte ich wieder das Portrait

des jetzigen Königs Fr. Wilh IV etwas

größer in Oel. welches mir besonders

gelungen war.

Den 17 ten August. Vogelschießen.

Den 25 ten. Mein Geburtstag. Wegen Mangel

an Zeit, und Kränklichkeit wurde die Feier

aufgeschoben Von meiner Köchin erhielt ich einen

Blumenkranz.

15

Jahr 1840. Cottbus.

 

Den 30 ten August. malte ich die Gemälde-Scheibe

des H. Mittig. worauf eine Ansicht des alten

Topfmarkts, jetzt Wilhemsplatz genannt. kam.

Oelgemälde.

Den 3 ten September malte ich die Gemälde-Scheibe

des H. Mund, worauf ein Trauer Denkmal kam

in Oel. In der Mitte ein Monument als in

Goldbrauen gemalt woran die Göttinen(en) der

Weissheit Gerechtigkeit und Gnade an den

drei Ecken befindlich mit der Inschrift-Geboren

den 3 ten August. 1770. und gestorben den 7 ten Juni

1840. Auf der anderen Seite. Erinnerung

an den 20 ten Juli 1840. Oben auf dem

Monumente lag ein Trauerkissen von schwar „

zen Sammt, mit silbernen Franzen und In „

schrift und goldner Krone. mit den Namens „

zug des hochseligen Königs Fr. W. III mit einem

Lorberzweige umgeben, unter diesem las

man. Dem gerechten.  rechts. links geb den

3 ten Aug. 1770 und rechts gest. den 7 ten Juni 1840.

das ganze zierte eine goldne Krone.

Uber diesem Kissen erhoben sich pyramien „

ähnlich zusammen gestellt 4 Fahnen mit

Flohr umwunden. Hinter diesem

16

Jahr 1840. Cottbus

 

Denkmal breitete eine Trauerweide ihre

Zweige aus. Im Vorgrunde zu beiden

Seiten erhoben sich Tannenbäume, im

Hintergrunde eine romantisch schöne Gebirgs „

Gegend, der Himmel war mit trüben

Gewölk umgeben, nur im Osten ging die

Sonne herrlich strahlen auf.

Nachträglich ist vom Pfingst oder Königsschießen

welches wie oben schon angegeben den

20 Juli abgehalten, zu bemerken.

Die hiesige Schützengilde beging die Trauer „

feier um den hochseligen König Fr. Wilh III

auf folgende Weise, Als das Battalion

zum Ausmarsch auf den Markplatz angetreten

war und die Fähnriche die Fahnen vom

Rathhause brachten, waren sämliche mit Flohr

umwunden, auf das Commando des Majors

traten die Fähnriche , mit den ihnen  beglei „

teten Unterofficire mitten auf den Markt

und formirten mit den Fahnen eine Pyramide

unter welcher der 1 te Schützenkönig das Trau „

erkissen welches oben schon erwähnt, in

 

 

17

Jahr 1840  Cottbus.

 

Begleitung zweier Stadtverord(n)eten hielt, worauf

der Major Knobloch eine kurze Rede auf

die Verdienste des hochseligen Königs hielt.

lobend, sagte, nach diesem spielte die Musik

ein Trauerlied. Dann marschirten die

Fähnriche nach dem Rathhause zurück, und

erschienen in kurzer Zeit mit bekränzten

und Bändern geschmückten Fahnen wieder

und traten in ihren Compagnien ein,  Jetzt

wurde dem jetzigen Könige Fr. Wilh IV

ein Hurrah gebracht, wo auch wieder der

Major Knobloch eine darauf passende

Rede hielt, und nun wurde der Ausmarsch

nach dem Schießhause angetreten.

Diese Scenen warend sehr erhebend

und wurden wegen der Ausführung

mit großen Lobe erwähnt.

Den 3 ten Sept. malte ich eine kleine  Gemälde „

Scheibe. Ein Osterfeuer umgeben von einer

Pappelallee, im Hintergrunde die aufgehende

Sonne, zumAndenken des hochseligen Königs

Fr.W. III mit der Inschrift. Selig sind die

Treuen, welche der Hingeschiedenen in Liebe

gedenken. Geb. d. 3 Aug. 1770. Gest. den 7 Juni 1840.

18 

Jahr 1840.  Cottbus.

Großes Aufsehen macht jetzt das gefundene

Dokument des hochseligen Königs, betittelt.

Mein letzter Wille. welches hier beigelegt ist

und öffentlich bekannt gemacht wurde.

Den 14 ten und 15 Sept. Gemälde-Scheibenschießen.

Den 16 ten Bemerkungen über die Witterung.

Der ganze Sommer war kühl, und die Abende

so gar sehr kalt, blos in den letzten Paar

Wochen des Augusts hatten wir große Hitze „

Den 26 ten Sept. erhielt ich den Auftrag von der

Schützengilde zu Forst. für dieselbe eine

Gemälde-Scheibe zu malen.

Den 28 ten. malte ich die Forstner Gemälde „

Scheibe auf welcher das Stück gewählt

worden war, was ich vorm Jahre, auf

die Scheibe für Sr Maj. den König v Preußen

malte nemlich den Triumphbogen. / Siehe

Jahr 39. pagna.                 blos mit einigen Abände „

rungen. in Oel.

Den 1 ten October. Große Vorbereitungen werden

jetzt getroffen zur Verherrligung  der Huldigungs

und Geburtsfeier Sr Maj des König F.W.IV.

Der Magistrat hat eine Summe für Illum „

nation ausgesetzt, wobei auch die Schützen „

gilde daran Antheil nimmt, sie erhält eine

 

19 

Jahr. 1840.  Cottbus.

große Gemälde-Scheibe, nebst 9 Prämien, wo „

runter die größte 16 rth. kostet. und alle

Abgabenpflichtige Einwohner daran Theil haben.

Den 2 ten October. mußte ich zu Rathhause kommen

wo ich beauftragt vom Oberbürgermeister Römelt

wurde, die Gemälde-Scheibe anzufertigen;

und erhielt die Idee, im Vorgrunde einen

Tempel zu malen, welcher von der aufge „

henden Sonne beschienen, wurde, vor dem

Tempel sollten die Reichs-Insignien, und

im Hintergrunde ein romantische Thal-Ge „

gend angebracht werden. In zweien Tagen

solle ich die Zeichnung eingeben.

Den 3 ten October. Die Zeichnung erhielt ich zurück

mit der Weisung, den Tempel mehr in

perspectivischer Richtung zu bringen.

Den 5 ten. Jetzt mache arbeite ich an die

große Gemälde-Scheibe des Magistrats

Im Vorgrunde links kommt ein großer

Tempel mit Korinthischer Säulen Ordnung.

Vorn am Eingange befinden sich mehrere

Stufen welche mit rothem Sammt belegt,

Auf der obern Stufe befindet sich ein

 

20 

Jahr 1840.  Cottbus.

 

gold verziehrter Sessel auf welchem ein blau „

sammtnes Kissen mit silbernen Franzen ver „

ziehrt liegt, worauf die Reichsinsignien

als Krone Scepter Reichsapfel und

schwarzer Adlerorden am Bande, ruhen

über diesen der schwarze Adler schwebend, und

über den Adler das große Preußische

Wappen aller Provinzen. das Ganze ist

mit Purpur welcher mit Hermelin gefüttert

sinnreich verziehrt. Uber den Säulen auf den

Gesimse befindet sich das Hohenzollersche, und

rechts das Königl. Baiersche Wappen, welche

rechts und links von mehreren Preußischen

Adlern umgeben sind. Ganz oben auf der

Spitze des Tempels befindet sich die Sieges „

göttin Victoria.  Unten rechts steht die

Statie der Themesis und links die des

Mars. Unten an den 5 Säulen sind

die Attribute des Ackerbaues, die Industrie

der Kaufmanschaft, der Künste und Wissen „

schaften angebracht, der Tempelt steht

in ein Felsenthal, in welchen man einen

sehr romantisch schönen Mittel und Hinter „

 

21 

Jahr 1840.  Cottbus.

grund siehtt, wo mehrere Häuser friedlicher

Einwohner sichbar sind, ein heller Bach welcher

eine Mühle in Bewegung setzt, und sich um

den Felsen weiter fortschlängelt, herrlich „

Baumgruppen findet das Auge überall

und das Ganze wird von der aufgenden

Sonne prächtig erleuchtet. in Oel gemalt

eigne Composition. +

6 ter October. Meine Gesundheit ist nun völlig

wieder hergestellt, und die Arbeit geht

nun wieder gut.

Den 10 ten. Sehr viel Besuch hab ich jetzt, die die

Gemälde Scheibe sehen wollen.

Den 14 ten malte ich noch eine kleine Gemälde „

Scheibe. Die Aurora steht im Vorgrunde

und zeigt nach der aufgehenden Sonne, ein

Teller  in der linken, mit der Inschrift

Dort wird`s hell. Im Hintergrunde eine

schöne Gegend.

+  Die Inschriften zur großen Scheibe sind.

    1) Oben in der Luft schwebend, ein rothes

        Band, mit den Inhalt. Es lacht dem Bür „

        gerfleiß ein goldner Morgen.

        Unten kam. Zur Huldigung und Geburts

        feier Sr Maj. Fr.W. IV den 15 ten Octobr. 40. Die Stadt Cottbus

22 

Jahr 1840.  Cottbus.

Heute den 14 ten October wurde das Morgende Fest

Abends mit allen Glocken eingeläutet.

Den 15 ten October. Königs Geburts.und Huldugungs

tag in Berlin. Früh um 5 Uhr war Reveille

mit Janitscharmusik, die Mitglieder der Schützen „

gilde versammelten sich bei ihren Hauptleuten

und marschirten Compagnieenweise ohne trommel „

schlag auf den Landgerichtsplatz, von da mar „

schirte das Schützen-Bataillon auf dem

Marktplatze, wo sich alle Behörden und die

ganze Bürgerschaft versammelt hatten. Um

9 Uhr wurde mit allen Glocken geläutet,

und der ganze Zug bewegte sich zur Kirche

Die Schützengilde schloß das Ganze, und nahm

ihren Platz am Altar ein. Nach dem Gottes „

dienste marschirte die Schützengilde zuerst aus

der Kirche, und stellte sich vor derselben auf,

nachher marschirte sie mit Musick auf den

Marplatze wo sie sich aufstellte, der H.

Oberbürgermeister Römelt hielt hierauf

auf der jetzigen  Königs Majestät  eine Rede

nachher wurde das Lied. Heil dir im Sieger „

kranz angestimmt, dann ging die Schützengilde

 

 

reveiller (franz.) : aufwecken

Janitscharenmusik : ursprünglich Militärmusik der Osmanen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

23 

Jahr 1840.  Cottbus.

 

auf eine kurze Zeit auseinander. In einer

halben Stunde wurde Generalmarsch  geschlagen,

die Schützengilde trat wieder zusammen und

der Ausmarsch begann. Auf dem Schießhause

war große allgemeine  Tafel. Das Prämien „

schießen nahm seinen Anfang. Nach 6 Uhr Abends

begann der Reinmarsch. Um 7 Uhr war große

Illumnation, am Rathhause prangte der

Namenszug des Königs, und viele schöne

Transparents versinnligten den heutigen Tag.

Abends nach 9 Uhr war großer Schützen-Ball

welchen auch die Honoratioren und mehrere

Bürger mit beiwohnten.

Den 16 ten October malte ich das Portrait des

Herrn Wagner Brustbild in Oel.

Den 24 October Jetzt haben wir noch ein Gemälde

Scheibenschießen. Nemlich der 64 jährige Schützen „

Veteran Bütenhauer gab auch noch eine

Scheibe zum besten mit doppelten Prämien

zur Nachfeier am Huldigungstage Sr Maj des

Königs, auf diese kam nur ein Adler

in Sonnenstrahlen schwebend; mit Inschrift.

Den 2 ten Nov. Dieses Jahr gibt es sehr

viel Obst

24 

Jahr 1840.  Cottbus

 

gut bei Gelde, denn solche Einnahmen habe ich

in Cottbus noch nicht gehabt, wie in den verfloss „

nen, eine muntre hübsche Köchin, welche

mich sehr aufheiterte, kein Zank und Streit.

und so verlebte ich solches sehr vergnügt.

 

Gemälde

welche ich im Jahr 1840 angefertigt

habe.

 

1, Das Portrait der Madam Zeidler halbe Figur

    nach der Natur in Oel.

2, Das Portrait des Battaillons Tambour Becker

    von 2 ten Garde Landwehr Regiment Cottbusser

    ganze Figur nebst Gegend nach der Natur in Oel.

3, Der Maskenball. Oelgemälde.

4, Der Krieger mit seinem Kinde. Oelgemälde.

5, Das Portrait des H. Voigt. Brustbild in Oel.

6, Eine Scene auf dem Maskenball. Oelgemälde

7, Das Portrait des H. Wolf. Brustbild nach der

    Natur in Oel.

8, Das Portrait der Madam Wolf, halbe Figur, nach

    der Natur in Oel.

9, Das Portrait des H. Michovius halbe Figur

     in der Uniform des Leib Regiment. (8 te Re „

     giment (Gubener) nebst einer Ansicht von Guben

     nach der Natur in Oel.

25 

Jahr 1840.  Cottbus.

10, Die Kegelbahn. Genre Stück in Oel

11, Christus als Hirte. Oelgemälde.

12, Die Königin des Himmels mit den Christuskinde

13, Scene aus Dr. Faust. Bester Mann, ich liebe

      dich von Herzen. in Oel.

14, Das Portrait des Fürsten Blücher v, Wahlstadt

      Brustbild in Oel.

15, Die Kirchengängerin. Oelgemälde-

16, Das Portrait Sr Maj Fr. Wilh IV Brustbild in Oel.

17, dito

18, dito.

19, dito

20, Das Portrait  des Fürsten Poniatowsky. Brust „

       bild in Oel.

21, Napoleon in Lebensgröße ganze Figur in Oel.

22, Das Portrait Fr. Wilh. III. Brustbild in Oel.

23, Das Portrait Fr. Wilh  IV  Brustbild in Oel.

24, dito

25, dito größer.

26, 1 te Gemäldescheibe. Eine Ansicht des alten

       Topfmarkts, jetzt Wilhelmsplatz genannt in Oel.

 

, 27 te Gemäldescheibe. Ein allegorisches Denkmal

       zu Ehren des verstorbenen Königs Fr. Wilh III

       in Oel.

26

Jahr 1840.  Cottbus

28, 3 te Gemäldescheibe. (klein) Ein Denkmal, worauf

       ein Ofenfeuer auflodert zum Andenken des

       verstorbenen Königs Fr. Wilh III in Oel.

29, 4 te Gemäldescheibe. (Nach Forst.) Eine Allegorie

       auf Sr Maj des Königs Fr. Wilh IV in Oel

30, 5 te Gemäldescheibe. Eine Allegorie auf Sr Maj.

      den König Fr. Wilh IV und den Preuß. Staat

      in Oel.

31, 6. Gemäldescheibe. (klein) dito aber auf eine

      andere Art. in Oel.

32, Das Portrait des H. Wagner. nach der Natur

      Brustbild. in Oel.

33, 7 te Gemäldescheibe. Ein Adler in Sonnenstrahlen

       schwebend. in Oel.

34, Der erste Zahn. Genre Stück in Oel.

35, Das Portrait eines Knaben. (Groch) halbe

       Figur, nach der Natur in Oel.

36, Das Portrait des Candidat Lehmann als

       Leiche im Sarge liegend. Copie in Oel.

 

 

 

27

Jahr 1840.  Cottbus.

 

Diejenigen

die ich im Jahr 1840 im Zeichnen

unterrichtet habe.

 

1,  Müller I  Stubenmaler           13, Klara Vogelsang. bei Crossen

2,  Müller II                                 14, Lauk.

3,  Vetter.                                     15, Schneider. II. aus Sedlitz.

4,  Dahle. Cand. d. Theologie.   16, Könecke.

5,  Richter. I                                  17, Wuslauk aus Peitz

6,  Schneider. I                            18, Flemming.    

7,  Schmidt.                                  19, Ritscher.

8,  Gebhardt.                               20, Schulze.

9,  Jonas aus Berlin.                    21, Paulick. I

10, Bohnstaedt.                          22, Schwanhaeuser.

11, Richter II                                23, Müller.

12, Groch.                                    24, Lortzing. I.

 

1840 waren hinzugekommen

 

25, Mund                                            30, Paulik II.

26. Frau Oberamtmann Hubert.    31, Brückner

27, Jaenicke aus Oelsnig.                 32, Budra.

28, Olschina                                       33, Lortzing II

29, Böhme.                                        34, Neu

Das Jahr 1841

 

Datei 126 bis 145

 

Transkription Udo Bauer (April 2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 

Jahr 1841. Cottbus.

 

Den 1 ten Januar. Heute  bin ich außerordentlich

verdrießlich, besonders trug auch das Benehmen

meiner Köchin viel bei.

Den 2 ten. meine Köchin zog heute nach Tische

ab, und schied sehr schwer und traurig von mir,

es war mir selbst nicht lieb, da ich mich an

den Mädchen recht gewöhnt hatte. Sie war

hübsch, und munter, hatte ein schönes Beneh „

men, nur vernachläsigte mir alles, und

war mehr auf ihren Nutzen bedacht, wie

auf den Meinigen, daher faßte ich den

festen Entschluß , sie abzuschaffen, und weder

ihr, noch anderer Leuten ihr Zureden half,

ich ließ sie daher ziehen.

Den 9 ten Jetzt bin ich immer noch ohne Köchin,

Eine Masse von Mädchen haben sich zwar

gemeldet, aber ich habe alle wieder wegge „

schickt, es gefiel mir keine, daher versehe

ich meine Wirtschaft einstweilen allein.

Den 14 ten meldete sich wieder ein Mädchen

aus Finsterwalde, welche mir so weit ge „

fiel, ich miethete daher selbige.

 

 

2 

Jahr 1841. Cottbus

bis die Nacht um 2 Uhr auf, tanzte auch sogar

einige mal, was freilich etwas Aufsehen

erregte.

Den 23 ten Febr. wurde der Gastwirth zum

Bär. H. Mittig beerdigt, da er zugleich erster

Schützen König war, so ging das ganze Schützen „

Baittallon zu Grabe , welches in folgender

Ordnung geschah. Vorn eröffnete die rothe

Compagnie den Zug mit Trauermusick und

Trommel, die Fahnen waren sämmtlich in

Flohr gehüllt, dann folgte der zweite Schützen „

König und Magistratspersonen die Eximirten*

der Schützengilde, hierauf der Trauerwagen

von den Unterofficiren der Schützengilde

begleitet, dann die Prediger und Trauer „

Personen und alle Freunden und Bekannten

des Verstorbenen, den Schluß bildeten

die 3 Schützen Compagnieen. Nach der

Beisetzung in der Gruft marschirte  das

Bataillon mit klingender Musick und

fliegenden Fahnen vom Kirchhofe nach

dem Marktplatze, wo das Baittallon

aus ein ander ging.

eximieren : von einer Pflicht befreien

Lat. eximere, wegnehmen, freimachen

3 

Jahr 1841. Cottbus.

 

uns vorgelesen. Es sollte den 15  16 ten und 17 ten Juli mit

brillianten Ausmarsch und nachher große Tafel

nebst Ball abgehalten werden, das Schießen

besteht in einen großen Scheiben „ Schießen

und Silbers